13 FRAGMENTS ON ALUMINIUM

Ästhetiken einer temporären Zone

 

Entstehungsgeschichte der Texte

Alles Kursiv-Geschriebene lese ich nicht laut vor. Es informiert die 13 Fragmente zum Aluminium, von denen ich jeweils einige auswähle für die Sets/Scores, vom Rand her und kann leise gelesen werden. Silent reading – silent writing. Von der Seite der Schrift und nicht von der Seite der Stimme, die den Text spricht oder liest oder vorhersagt oder ruft. Ich schreibe an diesem Text seit Anfang April 2021. Zunächst mit der Hand, also mit einer Hand, der Schreibhand, mit Füllfeder in mein schwarzes Heft, wenn ich zu Sabina nach St. Andrä Wördern fahre. Bzw. nach Andrä um zu wörtern, wie ich immer sage. Ich fahre heute wieder nach St. Andrä wörtern, also schreiben. Wir trinken meist viel Brennnesseltee und sprechen. Es gibt vegane Kipferl für mich und einmal sogar Erdäpfel, Spargel und Tomaten. Wir machen gemeinsam Yoga. Dann schwingen wir. Das bedeutet, wir versuchen eine schwingende Bewegung zu entdecken im Körper und diese durch den Körper wandern zu lassen. Große und ganz kleine fast unmerkliche Schwingungen. Eine Viertelstunde lang. Manchmal länger. Dann wieder wörtern, schreiben und tanzen. Gemeinsam in einem Raum. Das Schwingen, wenn es gut gegangen ist, setzt sich noch lange nach der Phase des aktiven Schwingens fort. Eigentlich ist es am intensivsten, wenn es einfach weiterschwingt. Sich beginnt zu übersetzen oder dazwischen und dazu zu fügen. Ich ändere den Text jeden Tag. Als wir sind Volkskunde Museum übersiedeln, beginne ich ein Word-Dokument. Ich störe mich daran, dass ich alles hintereinander, untereinander schreiben muss … Ich erinnere mich an die vielen Ameisen in St. Andrä Wördern. Wenn wir sie nicht zu sehr gestört haben, folgten sie ihren ganz eigenen Scores unbeirrt.

 

 

Am Freitag, den 14. Mai 2021 erstellen wir uns einen Score für 30 Minuten. Es geht darum die Räume unserer temporären weirden Zone zu erkunden. Die Aufgabe ist es, einen Impuls freizulegen, wo eine* sich hinbewegen will. Und wo sie nicht hin möchte. Und dem Impuls entweder zu folgen oder sich gegen den Impuls zu bewegen.

 

 

 

Ich beginne im dunklen Raum. Und stecke meinen Kopf in die Rettungsdecke am oberen Ende der langen Labortafel. Die Decke ist eine Schnecke zusammengerollt und der Schwung und der Übergang vom hellreflektierenden Material weiter außen hin zur Dunkelheit innen hat eine Sogkraft. Ich muss lange hineinschauen. Dann widerstehe ich dem Wunsch einfach dort stehen zu bleiben. Ich bewege mich unter den Tisch und krieche auf allen Vieren nach vorn. Ich komme an einem Gewirr an Kabeln vorbei, die mich interessieren. Und lege mich kurz zu ihnen. Es kann sein, dass ich dann aus dem dunklen Raum in den Hellen gerannt bin. Dort war ich kurz bei den Aluminium-Würsten. Ich habe entdeckt, dass die Türrahmen des Museums nicht am Parkett aufstehen. Sie haben keinerlei tragende Funktion. Ich gerate durcheinander, weil Sabina auch in der Nähe sitzt und kaum ist ein anderer Körper da, ruft eine Stimme, perform! Oder mach etwas Originelles oder so. Und dann ist alles verloren. Vielleicht bin ich von dort dann zu den Aluminium Paketen gegangen. Ich bekam Lust hinauf zusteigen. Etwas Angst hatte ich, dass ich mir die ohnedies rissigen Füße an den scharfen Kanten auch noch aufreiße. Aber ich dachte, ich werde es so langsam und vorsichtig machen, dass ich mich nicht verletze. Ich atme tief aus als ich oben stehe und mich aufrichte. Ich kann durch die Fenster auf die Straße sehen und sehe, dass mich von unten eine Frau sieht. Sie wundert sich vielleicht, sie kann ja nicht sehen, dass ich auf Aluminiumblöcken stehe und deshalb so hoch im Raum sichtbar bin. Unsere Wahrnehmung, immer nur ein Ausschnitt. Schnitt. Schneiden. Wunde. Verwunderung. Immer. Und nie schließt es sich. Das Wundern kann immer beginnen. Ich kehre in den Dunklen Raum zurück, in die Wunderkammer. Ich wage es und setze mich auf den langen Labortisch. Ich sitze und meine Füße sind im Aluminium. Ich lege mich. Ich liege. Ich hebe mein Bein. Ich denke, wie komme ich jetzt vom Tisch. Ich schwinge mein Bein über das andere und taste mit den Füßen nach unten. Wie lang ist mein Bein. Wie hoch ist der Tisch. Wie weit kann ich meine Hüfte drehen. Ich taste. Ich suche. Suche Halt am Boden. Noch langen die Zehen nicht nach unten. Noch reicht es nicht aus. Wie kann ich den Körper positionieren. Zum Raum. Im Raum. Ich vermesse den Raum. Ich denke plötzlich an Ian Kaler und Phillipp Gehmacher. Dass ich sie gesehen habe, die das, was ich gerade versuche, schon professionell auf einer Bühne im Tanzquartier gemacht habe, ich habe Menschen gesehen, die das machen, was ich gerade mache. Ich erinnere mich. Ich habe das immer gerne gesehen. Weil es interessant auch spannend, gespannt aussah. Wie ich mit meinem Bein nach unten zum Boden hin den Raum vermesse, noch bevor die Zehen den Boden berühren, verstehe ich etwas vom Tanz, was ich bis dahin nicht verstanden habe. Ich merke, dass S mir dabei zusieht. Ich höre, dass ein kleines Lachen aus ihrer Kehle kommt. Fliegt im Raum. Ich finde mit den Zehen den Boden. Wild thing, denke ich. Und lande so ähnlich unten.

Den Raum mit dem Körper vermessen. In Beziehung setzen. Wie lang ist mein Arm. Wie lang mein Bein. Reicht mein Arm bis zur Wand. Wann bin ich dort. Ich schließe beim Schwingen die Augen und indem ich schwinge folge ich der Gravitation der anderen Dinge. Wie weit muss ich mich aus meiner Mitte heraus bewegen, um zur Wand zu gelangen. Wie weit kann ich schwingen, ohne das Gleichgewicht zu verlieren. Eine Beforschung des Miteinander im Raum. Ein Score ist wie eine Partner*in. Ich kann dem Score folgen. Ihn auch verlassen.


Der kursiv geschriebene Text wird nie gelesen. Außer ich entscheide mich, den Score zu brechen. In der Nacht träumte ich von einer Reise mit dem Zug. Wir fahren nach Aluminium. Eine Kuratorin mit einer einzigen roten Haarsträhne hat uns entweder zufällig im Zug getroffen oder abgepasst. Wir wussten es nicht. Sie wollte wissen, welche Orte genau wir zu durchqueren haben. Eine schwer zu beantwortende Frage. Als Zonenwesen jedes Wissen darüber verloren, woher und wohin genau wir unterwegs sind.


The oracle score. Someone has a question. And writes it down. Others in the room channel the question. They read the question in the space. With their bodies. The things surrounding them. Others are writing. And in writing they are reading. They are reading the answer to the question. I put my head on a block of aluminium. I feel the weight of it. Its a huge block. I would never be able to carry it on my head. So, I climb aroung it. Searching for a path. All others are in different places. How will we come together. And when? Is there a chance to meet. I don't know, I feel the weight of the question in my whole body. I am searching with my hand if something might be there. I reach out for something.

There is always something making sense. The oracle helps to understand, that there is no need to add any sense from metatheoretical perspective. Just read the space. LEGEIN – lesen. Zusammenlegen. Setzen. Zusammen sich in Bewegung versetzen.

Der kursiv geschriebene Text wird niemals vorgelesen. Erst einmal habe ich den Score, den selbtauferlegten Sub-Subscore gebrochen. The text i italics will never be read out loud. Only once I broke my score. Heute erstmals die Augen nicht nach vorn gerichtet, nach dem Schwingen. Today I managed to not open the eyes directly after swinging. I saw my feet. This was helpful to land again. But where. Where to land? Where are we? what is this strange zone – inhabitants of neither a stage nor an exhibition, but a zone somewhere inbetween. Materials, objects, sounds, light, wind, the breathing of people all inter-acting, all actors like humans etc.


 

 

„Es existiert eine Vielzahl chemischer Verbindungen von Aluminium: entweder in der Natur in großen Mengen in Gesteinen enthalten oder künstlich hergestellt (zum Beispiel für Medikamente) und in zahlreichen industriellen Verfahren verwendet. Aluminium ist mit einem Anteil von 7,57 Gewichtsprozent nach Sauerstoff und Silicium das dritthäufigste Element der Erdkruste und damit das häufigste Metall. Es tritt allerdings nie in Reinform auf, sondern nur in chemischen Verbindungen.“ (siehe: „Aluminium Lexikon – der Werkstoff von A bis Z“, online: http://www.aluinfo.de/aluminium-lexikon-detail.htl?id=6&letter=a)

# xx sur plus fragment saint ant

next to this desk abroad lives an ant
she* had crossed several times a day
a green strip where a poison
infected it – as I was told.
and she knows that, too

she must not
return to her nest
she is contaminated
she would kill every other ant in the nest

she stays with me
in the death zone
she wanders around
she carries death on her body and
adorns herself daily anew
with this other garment

she lives in this between
and I live next to her

in the zone of the doomed

# 8 Fragment: Haut erzählen

Das Geräusch, das eine Haut auf der Haut, der anderen Haut oder Oberfläche der Dinge, Haut der Dinge, das Geräusch, das vielmehr die Häute miteinander und in ihrem Zwischen machen und damit dieses Zwischen anzeigen und es bezeugen, dass es ES gibt und dass es von dort her die vielen anderen Körper und Dinge gibt, dieses Geräusch schreiben, als wäre dieses Geräusch selbst Erzählung und Erzähler*in.

How, when we leave this zone, will I miss that sound. This narration of sounds.

 

SCORES

 

SCORE 14.05.2021

 

Wechsele die Räume maximal 6 Mal

 

Wechsele zweimal in schnellem Tempo

 

Bewege Dich mindestens zweimal nicht auf beiden Füßen, sondern beispielsweise auf einem Fuß oder auf allen vieren, rollend usw.

 

 

 

SCORE 18.05.2021

 

S und E haben für die kommenden 45 Minuten 3 Tätigkeiten

 

S: Schwingen, Tanzen, Positionieren zu den Objekten

 

E: Schreiben, Schwingen, Lesen laut & leise

 

Suche für jede Tätigkeit einen Raum aus, in dem Du dieser nachgehst

 

Eine der Tätigkeit kann mindestens zweimal ausgeführt werden. Besuche jeden Raum mindestens einmal. Mindestens einmal treffen sich E und S.

Aber was IST eine Begegnung? Wann begegnen wir uns? Wenn wir uns anschauen oder wenn wir gemeinsam in einem Raum sind, Körper an Körper? Oder wenn die eine weiß, wo die andere ist. Do we touch, when our eyes meet?



# 4 Fragment: Sprachverbindungen

Wann spricht sich die Sprache – oder wann schreibt sie sich. Wie zeigt sie sich.

Die Sprache, damit sie sich spricht, sucht immer Verbindungen mit anderem, sie braucht noch etwas, das dazukommen muss oder auch dazustoßen – Körper zum Beispiel, oder Stimme, Schrift – damit sie sie selbst sein kann. Und dann ja gar nicht mehr sie selbst ist. An sich. Sondern schon ein wildes Meandern. Das Me der Anderen. Und dann ist sie auch gleich – flugs – schon wieder nicht mehr nur eine Sprache, sondern hat so viele Zungen. Die Sprachen sind immer am Weg. Unterwegs. Vielleicht sind es eben nicht nur wir, die unterwegs sind zur Sprache. Sprachen sind ihrerseits unterwegs – zu anderen, mit denen sie sich erst verbinden müssen, um zu werden, was sie sind. Die Sprache verbindet sich mit der Stimme, mit den Körpern, mit dem Materiellen, mit der Schrift, der Geste des Schreibens. Und so weiter. Immer sind weitere Verbindungen möglich. Im Raum, der Zeit der Anderen. In diesen Verbindungen ist die Sprache – und schon ein Gemenge. Nicht ident mit sich. Eine Verbindung und so stiftet sie immer weiter Verbindungen. Mit und mit und mit und ohne Mit usw. Es sind die Präpositionen wie „hier“, „zwischen“, „mit“, „ohne“, die so viel von Sprache/n sagen. Präpositionen. Worte, die andere Worte miteinander in Beziehung setzen und ein bestimmtes räumliches, zeitliches usw. Verhältnis angeben. Verhältnisworte, an, auf, bei, für, zu, mit, ohne.

Aluminium. Language. Humans. Non-humans. Prepositions. Nouns. Bodies. Voices. Vocals. Stars. Stones. Soil. Plants. Bones. Blood and Waters. Rivers. Tears. Wanderers of the Sense of the World. How to un/land.

 

"be you with me in my language madness ..."

(for Friederike Mayröcker)

 

# 2 Fragment: The Carrier Bag / Dreams

Too heavy to carry on here. Now. Tying to fall asleep. My dreams are my carrier bags for that which is too heavy to carry in daylight. It will all be wrapped in dreams. Transformed into the light reflection of the inconnu. Unknown. Archived not by myself. Archive to loose controll of. But later, one can unwrap all the dreams. Eat them. Digest. That is how you stay alive. Unwrap a dream each day or night. Eat. Digest. Translate. Its never too late to read and write, what you don't understand.

You touched my feet in the dream last night. Driving by train to ...

(forgot the dream)

Some minutes ago, I thougt I witnessed a friend watching me writing, but I think I was wrong. It was a ghostly friend, ghost writer maybe, whispering some traces of presence or a certain quality of absence which is also very much present. What a paradox. As soon as I realized she was not here, I lost something. Writing always means to loose something, all the words on the paper. You need to lose them. To write.

# 9 Fragment: A Composition of Dreams

A composition of dreams. Lose connections. Matter-phores of the Between. Full of words or not. Maybe empty and light. Read, read. And listen. And read.

 

Immer wieder treibt das Denken auf diesen einen Fluchtpunkt zu, an dem sich alles verbinden soll. Aber verfehlt diesen und genau deshalb denkt es so gerne, weil es dem Versprechen folgt, dass es weitergehen kann, wenn es nicht EIN Ziel gibt oder einen Grund. Es streut sich aus. Zwischen ist kein Punkt. Sondern Raum.

Sich in diesem Zwischen orientieren. Eine Frage vom Rhythmus und Takt. Vielleicht. Immer wieder Abstände vermessen. Hier ist ein Arm. Da eine Wand. Ein schwingendes Blatt. So weit ist es bis zu einem anderen Körper und schon verfehlt. Viel weiter ist es bis einem anderen Körper. Und schon kollidieren wir. Und auseinander. In diesem Raum eine Bewegung einfangen oder sie wieder freilassen. Schreiben. Warten. Atmen. When do we breath? Where are we, when we are breathing? Where are you, when you breath? The question of breathing is a question of being-with. We all breath the air which has just left another ones lungs. And the air that leaves my lungs now is about to enter some one elses body. Do not forget to remember those who could not breath. Anymore.

I want to get rid of interpunctuation.There is already interpunctuation given, when we speak and write. The rhythm of breathing. Separates the words and connects them. Language is the air of sense we might breath together. But have we ears enough and ears. To listen. I want to get rid of interpunctuation. There is a rhythm given. But have we tongues and lungs enough to speak. To write. Write. Write. Read. You body wants to be heard. What is ours will leave us. Like the air in our lungs.

 

# 1 Fragment: The Alu-Poem. How to Un/Land

 

When I ask the wanderer:
“Where do you go?”
“I go home, go home”
(s)he says with a cheery tone.

 

When I ask the wanderer:
“Where lies your future?”
“At home, in the past”,
(s)he says with teary eye.

 

And when (s)he finally asks me:
“What distresses you so?”
I say, “I cannot go home,
have no homeland anymore”.[1]

 

So, how do you land

where you are never “at home” again?

How do you unland?

We say with our rainy skies.

 



[1] A re- and newly written poem originally by Hermann von Hermannsthal, a poet of romanticism. It is called „Wenn ich den Wandrer frage“ in German. It was first translated into English here and after reading again and again rewritten and modified, changed and transformed.

# 5 Fragment: Schwingen

Sich nicht fangen, sondern schwingen lassen. Die Knochen, wo sie lose und leicht miteinander verbunden sind über einen Zwischenraum, diesen in Bewegung versetzen. Sich versetzen. Eine Zone der Beweglichkeit zulassen und

Körper sind offene Zonen, innen wie außen, die von Bewegungen durchzogen, vielleicht nichts anderes sind als diese Assemblage von schwingenden Teilen. Miteinander und Zwischen. Durcheinander.

Die Frage des Mit. Woher kommt ein Schwingen. Wer versetzt wen oder was in ein Schwingen. Gibt eine Intension, eine Intensionalität der Schwingenden, die allein von ihr ausgeht, von ihm usw. Oder ist ein Schwingen wie Hören, Lauschen, Suchen, Schreiben immer schon ein Mitschwingen, das eher schon antwortet auf das, was bereits schwingt. Sich in dieser Bewegung dem zuwendet, auch wieder entfernt. Takt. Abstand und Annäherung. Beides zugleich. In einem Schwung. Zum Schwingen brauche ich Raum, in dem ich schwingen kann. Hin und her. Vielleicht versetzt dieser Raum alle, die schwingen ins Schwingen. Weil Raum ist, ist Schwingen.

# 3 Fragment: Plastizität

Es ist nicht die Frage, dass die Körper ausgedehnt sind, sondern eher wohin oder woraus sich diese Ausdehnung hin dehnt und ob die Ausdehnung selbst nur zu jeweils einem Körper gehört oder ob die Ausdehnung der Körper in deren zwischen selbst eine Art neuer Körper oder eine Ansammlung von Körpern wird. Assemblage von Körpern oder mehr als das, sich verdichten kann, vermengen, etwas neues anderes wird. Also nicht: da und da und Berührung usw. Sondern Fleisch (Merleau-Ponty) und Drittes (triton genos, Derrida) etc. oder eben auch Plastizität. Eine Art Vermengung, Vermischung, Chiasmus oder auch gänzlich anderes als Materie. Eine Qualität von Materie, die im Zwischen entsteht. Die aus Zwischen gemacht ist. Eine dynamische Genese von immer neuen verschiedenen Qualitäten, Verdichtungen, Poemen zwischen und aus und mit und ohne und jenseits von Körpern. Als wäre dieser ganze Dualismus – Geist über Körper oder andersrum Körper über Geist etc. – auch eine Art und Weise die Nuancen, die Qualitäten des Zwischen zu negieren und Ordnungen zu schaffen, Reinheiten, Ungetrübtheiten und verbindungslose Entitäten, die wir dann Individuen nennen. Und die einsam sind.

Dabei sind wir genau das auch nicht: einsam. Immer in eine soziale Plastik hineingestellt oder hineingelassen. Aber reicht das schon aus. Um KITT zu sein. Verbindung usw. Oder Fett. Fragen an Beuys.

Vielleicht ist die Frage aber schon falsch gestellt. Stellt sich so falsch in den Raum. Umstellen. Immer fragen wir nach der Verbindung im Raum, von Körpern, stellen die Frage des mit an eine nachgeordnete Stelle. Als gäbe es zunächst abgeschlossene Körper. Hier ein Körper. Da ein Körper. Noch ein Körper. Alle stehen so für sich. Alleinstehende Körper. Und dann fragen wir uns, wie miteinander in Verbindung treten. Oder Verbindung herstellen, fabrizieren. Und wenn es genau umgekehrt wäre? Dass die Körper immer schon miteinander in Verbindung sind. Weil sie soziale Plastiken sind. Beuys übrigens hat niemals im Plural gesprochen. Deshalb müssen wir ihn vielleicht auch nicht fragen. Lassen wir ihn für heute mal links liegen. Oder wo immer. Ist ja auch nicht so sicher. Ob der Beuys links liegt. Klammer zu. Wenn die Körper immer schon als offene miteinander sind, gibt es eine Verbindung weder nachträglich zu denken noch zu fabrizieren oder herzustellen – sie ist immer schon da. Ihr nachzuschreiben eher ein Akt des Freilegens.

Is there an experience of plasticity? How to grasp or touch this concept? Is it a comcept – or shall I wait stating it is a concept?

Wie sich Plastizität annähern? Oder bedarf es hier eines anderen Weges: bin ich schon da, sind wir schon da – das "ich" macht in diesem Kontext auch wenig Sinn. Das muss vielleicht auch dazu gesagt werden. Plastizität als dieses dynamische Gemenge von Körpern – als eine Qualität von Materie vielleicht, als eine Art von Eingelassenheit oder auch Ausgelassenheit. In der Bewegung des Schwingens ist das Ereignis ja, dass es kaum eine Wiederholung desselben gibt. Differenzen überholt Differenz. Daher lerne ich, wenn ich mich entschliesse aufzustehen und zu Schreiben, die Augen nicht gleich aufzureißen. Als wären die Augen beinage nicht schnell genug, um dieser Erfahrung von Differenzen nachzukommen. Und doch machen sie etwas ähnliches, in dem die Lider beständig aufeinanderschlagen und den Blick unterbrechen. Immer wieder. In einem Rhythmus, der für das Sehen unerläßlich ist. Und doch vergessen wir. Die Bewegung der Lider beim Sehen.

# 12 Fragment: which weather

What kind of weather is in the zone? What climate? Or is the zone itself the weather, the climate, the atmosphere? The weather is a highly poetic element. We swim in the weather, we fly in the weather, actually we dive in the weather - it always surrounds us. There is no space for us without weather. There is always some weather. In the conversation "Poetry as a Form of Perception," Etel Adnan writes about her childhood: "I had no siblings, there were no other children to play with. So my life revolved around my immediate surroundings. And the weather was a big event." (Adnan 2020, 485)

 

Heute ist Licht. Und heute ist Wind. Heute ist Licht zwischen unseren Bahnen, die wir uns entrollt haben. Jeden Tag eine, um darin, darauf, daran das Entrollen zu lernen. Um uns darin einzurollen oder daraus herauszubewegen. Heute ist Licht und es ist Wind. Aber wo ist Licht und wo ist Wind. Es ist Licht und es ist Geräusch zwischen unseren Seiten, unseren Bahnen, zwischen denen wir zu schreiben beginnen, jeden Tag von neuem. Und sobald wir beginnen, werfen unseren Bahnen Falten, die immer mehr werden und mehr. Die glatte, so eng aufeinander geschmiegte Bahn, sie faltet und faltet sich zu einem riesigen Körper. Monströs. Wir waten knietief durch die Bahnen, jeden Tag.

Heute ist Licht und es ist Geräusch, aber wo ist Licht und wo ist Geräusch. Und wo ist Wind.

Was unser ist, löst sich von uns ab. Jeden Tag häuten uns und werden andere. Streuen das, was unser schien aus. Wie Licht. Das sich reflektiert. Streut.

# sur plus fragment
only a few grades
create change
in shape and form

timely clearing after snowfall

 

this body
into a great snowfall
elemental transformation

nothing will be out of the world
everything will always be there
changing

sometime
will change from this body
maybe
its consciousness will separate

nothing will be out of this world
sacred elements keep on dancing

# 6 Fragment: Postkarte aus der Zone


Lange schon habe ich keine Postkarte mehr geschrieben. Und dann den Text verloren. So viele Zeilen, die ohnedies nicht auf eine Postkarte gepasst hätten. Nie passt alles auf eine Postkarte, was sich dort eigentlich zeigen will, Eine Postkarte aus einer Zone, unbekannte Zone, wenn ich schreibe, habe ich kurz Platz genommen, zumindest für den Moment. Angekommen und schon wieder dabei einen anderen Raum zu entdecken. Aufbruch. Kurz vor dem Aufbruch geschrieben. Man kann aus Aluminium eine Messerschmidt basteln. Oder Spitfire. Wie überleben wir das Leben in dieser fragilen Zone. Gift und Gabe. Das Leben überleben. Einen Moment des über-raschen Tempos aufnehmen, einen Sprung wagen.

# 10 Fragment: Das, was etwas ist

Was, wenn das, was etwas ist, sich nicht als unveränderliches Wesen in einem unberührbaren, also auch nicht transformierbaren Inneren eines Körpers oder eine Sache usw. Ding auch verbirgt. Sondern, wenn das, was etwas ist, sich immer in der Weise, wie es sich zeigt, ereignet. Also draußen. Alles ist draußen. Außen. Nicht, dass es nicht Einfaltungen von Sinn gäbe oder ein Körper sich nicht auch krümmte und auf diese Weise, vielleicht sogar mit anderen Körpern gemeinsam eine Art von Intimität erzeugen könnte, aber in Bewegung, es löst sich auf, faltet sich wieder auseinander, zeigt sich neu und anders. Wieder. Und wenn alles außen ist – dann ist viel Haut, Häute die Stätte des Sinns. 

Was wäre, wenn sich das, was etwas ist, immer vermitteln ließe. Und weil es sich vermitteln lässt, kommt es aus einer Mittelung, Mitte. Metatxy. An der Wand Körper ist Körper, der an der Wand, mit der Wand Körper ist, bildet. Und löst sich ab oder auf. Geht. Am Tisch Körper ist Körper, der am Tisch und mit dem Tisch Körper ist. Sitzt. Schreibt. Will aufstehen, weitergehen. Vielleicht lesen. Anderen Körper hinter sich lassen. Häuten. Ändern. Transform! Körper, der immer Körper hinter sich lässt, Gespenstische Serie von Körpern. Die immer weiter sich von einander, auseinander abtrennen und hervorbringen. Wesen der Körper genau diese Bewegung: Abstand in Kon-takt. Zusammen und Auseinander. Zusammen und Auseinander. Körper sind immer viele und ephemer. Körper am Tisch will aufstehen. Gehen. Vielleicht lesen. Vielleicht etwas zurücklassen. Stimme oder Schrift ... Spur jedenfalls, lose geformte Schnur, die niemals hält.

# 7 Fragment: Feuer

Es ist das Knistern eines lange verbrannten Feuers – ganz ohne die Lautlosigkeit der Asche, beinahe als hätte dieses Material allein das Geräusch des Brennens eingefangen und fest an sich gebunden. So wie es auch eine so innige Beziehung zum Licht unterhält. Fast als verstünde es, was das Licht sucht, nämlich Oberflächen sich abzustoßen oder zu brechen, um weiter, weiter zu scheinen. Weder ein heller noch ein hoher Klang. Klang der Plastizität. Es klingt nie wie. Sondern es klingt mit. Klingt mit dem Wind. Klingt mit dem Körper. Klingt mit dem Boden.

Und dann wieder, wie schnelles Durchqueren von hohem Schnee. 

Gehen Worte aus. Daraus hervor. Weiß es nicht. Hinterrücks mich beim Schreiben erwischen. Aber wird doch nicht klarer.

 

# 13 Fragment Mise en Abyme

Bild im Bild im Bild im Bild im Bild – im Auge. Bild von Auge. Bild.

Aufnahme einer Aufnahme und Projektion einer Projektion. Doppelte Gabe. Abgrund. Gift.

# 11 Fragment: Scores

 

Between formalisation and improvisation there is a space. Welcome to the zone. A zone to invent anew.You may wonder, where am I, where are we. Which I, which we. What is going on. Which dances. Which writings. Which noise. Which pictures. How to land in a zone that was designed maybe not for you. But for all kinds of things. For the assembly of all kinds of entities. Assemblage.

"Scores are practiced not rehearsed."

 

Die Zone ist ein Raum zwischen Bühne und Ausstellung.