20.12.1970

 

Zürcher Zeitung

 

Psychiatrische Beratungsstelle - für Drogenprobleme

 

ES

 

Die starke Zunahme des Drogenkonsums, vor allem unter Jugendlichen, schafft zahlreiche neue medizinische und fürsorgerische Probleme. Die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich hat sich daher entschlossen, eine ambulante Beratungsstelle zu schaffe, die dem bereits bestehenden kantonalen Sozialpsychiatrischen Dienst angeschlossen ist. Die in diesen Tagen ihre Tätigkeit aufnehmende Psychiatrische Beratungsstelle für Drogenprobleme trägt den Namen "Drop in" und befindet sich an der Hermann Greulichstrße 70 im Kreis 4.

01.10.1971

 

Kirchenbote No. 57

 

Drop-in Zürich  

 

Hans Gutknecht

 

Hermam-Greulichstr. 70, Tel. 23 30 30  

Höschgasse 74, Tel. 34 00 20  

für jedermann offen:  

8 Uhr bis 21 Uhr

 

Das Drop-in ist eine Drogenberatungsstelle. Es umfasst einen Stab von Ärzten, Sozialarbeitern, Psychiatrieschwestern, Pflegern und Arbeitstherapeuten. Schalter, weisse Ärztekittel und Schwesternhauben sucht man vergeblich. Die Atmosphäre ist familiär, die Ausstattung popig. Für alle Mitarbeiter aber gilt strengste Schweigepflicht, auch den Behörden gegenüber.

 

Zur Beratung kommen Jugendliebe, aber auch Eltern, Lehrer, Lehrmeister, Pfarrer - einfach Leute, die in Schwierigkeiten stecken. Das brauchen nicht immer Drogenprobleme zu sein - meist sitzt die Sache ja tiefer. Nicht umsonst untersteht das Drop-in dem Sozialpsychiatrischen Dienst. Die Umweltfaktoren, das sogenannte «Zu-Hause», das oft alles andre als ein Zuhause ist, der Lehrplatz, unsere ganze Gesellschaft schaffen immer mehr psychische Probleme, mit denen viele Junge einfach nicht mehr fertig werden. Glücklich, wer dann direkt den Weg ins Drop-in findet und nicht erst auf dem Umweg über Drogen. Glücklich die Eltern, die sich sofort dort Rat holen und nicht abwarten, bis Sohn oder Tochter nach Istanbul oder Amsterdam ausgerissen sind und «verflippt» heimkommen

 

Ein Pfarrer. der viel mit Jugendlichen 1u tun bat, sagte heute zu mir: «Das Drop-in ist das Erfreulichste, was ich auf dem Jugendsektor in Zürich kenne», und cm führender Ordensmann der katholischen Kirche äusserte in einer Diskussion auf Boldern: «Wenn es so etwas wie eine wirksame Ordensgemeinschaft in der modernen Welt gibt, dann ist dies das Drop-in-Team in Zürich.» 

 

Das Drop-in an der Höschgasse wurde erst diesen August eröffnet; weitere ähnliche Stellen werden nötig sein. Obwohl beide Drop-in der gleichen Aufgabe dienen, bilden sich doch gewisse Schwerpunkte heraus. An der Hermann-Greulichstrasse soll eine Behandlungsstation ausgebaut werden, die für freiwillige Entziehungskuren und die soziale Eingliederung eingerichtet und mit dem nötigen Personal ausgestattet ist. An der Höschgasse soll eine Tagesklinik mit Werkstatt eingerichtet werden. Dazu braucht es eine gezielte Arbeitsstellenvermittlung. Für viele Jungen wird eine Heilung nur möglich sein in einer Wohngemeinschaft zusammen mit Psychotherapeuten. Leerstehende Häuser und Wohnungen dafür werden dringend gesucht.

 

«Aber braucht es eigentlich diesen ganzen Apparat? Früher ist man doch auch ohne solche Stellen ausgekommen.»

 

Dazu wäre folgendes zu sagen: unsere Familien sind viel zerstörter, als man im allgemeinen annimmt. Viel mehr Junge, als wir meinen, haben kein Zuhause. An vielen Orten ist man direkt froh, wenn man die heranwachsenden Kinder abschieben kann. Der Vater, der im Rausch seine zwanzigjährige Tochter zusammenschlägt oder zu ihr ins Bett will, ist gar nicht so selten, und die Mutter, die ihrem Sohn eine Zwanzigernote in die Hand drückt, damit sie mit ihrem Liebhaber allein sein kann, auch nicht.

 

Dazu kommt ein Zweites: Drogen bauen sehr rasch den Charakter, vor allem den Willen ab. Wir haben es heute immer mehr nicht bloss mit Leuten zu tun. die rauchen oder Tabletten konsumieren, sondern die Drogen spritzen. Hier wird der «Weg zurück» immer länger und beschwerlicher und kann kaum ohne fremde Hilfe gefunden und gegangen werden. Hier sollten wir Wohngemeinschaften haben. Auch die Wiedergewöhnung an eine geregelte Arbeit geht nicht von einem Tag auf den andern, sie muss zuerst in kleineren Dosen verabfolgt werden. Doch wer gibt einem solchen Menschen Arbeit? Mit all diesen Fragen haben sich die Leute mm Drop-in täglich auseinanderzusetzen. Dass sie es mit soviel Sachkenntnis, Geduld und Mitmenschlichkeit tun, dafür können wir ihnen nur danken und - soweit wir dies können - sie tatkräftig unterstützen.

 

Bild: Der Leiter des «Drop-in» Hermann-Greulichstrasse bei einer Besprechung mit seinen jugendlichen Mitarbeitern (TA-Foto).

 

Hans Gutknecht

15.12.1972

ta

 

Jeder vierte Neunzehnjährige hat Drogenerfahrung

 

nvs. 

 

**Jeder vierte männliche Jugendliche von 19 Jahren im Kanton Zürich hat Drogenerfahrung, bei den gleichaltrigen Frauen ungefähr jede sechste. Die Drogenkonsumenten finden sich in allen sozialen Schichten, In allen Ausbildungs- und Berufsgattungen. Dies Ist das Ergebnis einer Umfrage bei 6359 stellungspflichtigen jungen Männern und 1401 Jungen Frauen in diversen Schulen, die von einem Psychologen- und Psychiaterteam der Psychiatrischen Universitätsklinik Burghölzli im Jahre 1971 durchgeführt wurde, Die Ergebnisse dieser in der Schweiz ersten grossangelegten epidemiologischen Studie des Drogenkonsums wurden der Presse am Donnerstag von Regierungsrat Dr. Urs Bürgi und Professor Dr. med. Jules Angst sowie seinen Mitarbeitern erläutert.**

 

Zweck der Studie über den Drogenkonsum im Kanton Zürich war es, einerseits eine Ausgangsbasis für längerklärungsarbeit zu erstellen und anderseits, eine Ausgangsbasis für Längerdauernde und verfeinerte Untersuchungen auf diesem Gebiet zu schaffen. Finanziert wurde das Unternehmen vom schweizerischen Nationalfonds. Die Umfrage wurde mittels Fragebogen erhoben, die bei der Aushebung für den Militärdienst oder in den Schulen verteilt wurden. Dabei blieb die ärztliche Schweigepflicht gegenüber Militär, Schulen, Behörden und Polizei schriftlich garantiert. Ein Teil der Befragten konnte anonym antworten; ein Teil musste Namen und Adresse angeben, weil man bei diesen das langfristige Verhalten gegenüber Drogen in geplanten weitem Untersuchungen beobachten will.

 

**Ehrliche und offene Antworten**

 

Wie Professor Angst an der Pressekonferenz ausführte, fielen die Antworten der Jugendlichen ausserordentlich ehrlich und offen aus. Im Fragebogen erfasst waren unter der Bezeichnung »Drogen« Cannabis (Haschisch, Marihuana), Halluzinogene (LSD, Meskalin usw.), Amphetamine, Opiate, verschiedene Husten- und Lösungsmittel sowie Muskatnuss. 24,9 Prozent der männlichen und 16.1 Prozent der weiblichen Jugendlichen gaben an, bereits Drogenerfahrungen zu besitzen. Am häufigsten wurde Cannabis konsumiert, an zweiter Stelle folgten bei den Frauen Amphetamine und bei den Männern Halluzinogene. Bereits mehr als 25mal hatten 23,9 Prozent der männlichen Drogenkonsumenten ihr Glück mit Drogen versucht, 16,7 Prozent ergaben sich bei den weiblichen Drogenkonsumenten. Der Schwerpunkt des Drogenkonsums findet sich in Zürich und den umliegenden Gemeinden, wie Zollikon, Küsnacht, Meilen, Kirchherg, Thalwill, Horgen, Schlieren, Urdorf und Dübendorf. Winterthur und Uster sind unter den zehn Gemeinden mit dem stärksten Drogenkonsum nicht aufgeführt.

 

**Höhere Ausbildung- und Einkommensschichten vorherrschend**

 

Die Drogenkonsumenten kommen aus allen sozialen Schichten. Berufsgattungen und Schulen. Allerdings herrschen höhere Ausbildungsgruppen und Einkommensklassen deutlich vor. Ob dieser Befund mit besseren materiellen Möglichkeiten für den Drogenkauf oder mehr mit allgemein psycho- logisch-soziologischen Tendenzen weniger traditionsgebunden, gesteigerte Neugier - zusammenhängt, wagte Professor Angst daraus nicht abzuleiten. Das Konsumverhalten der Eltern (Alkohol, Tabak, Medikamente), insbesondere der Mutter, wirkt sich auf den Drogenkonsum der Jugendlichen deutlich aus. Wieder einmal hat sich erwiesen, dass Milieuschädigung zum grossen Promoter der Drogenabhängigkeit wird.

 

In einem kleinen psychologischen Test wurde die Persönlichkeit der Befragten erfasst. Die "Probierer" (bis 10 mal) erwiesen sich einerseits als nervös. impulsiv und aggressiv, andererseits als gesellig und offen. 

 

Die schweren Drogenkonsumenten sind verstimmt, gereizt, haben viele vegetative Störungen und sind eher kontaktarm. 

 

**Keine voreiligen Schlüsse** 

 

Wie Professor Angst mehrmals betonte, lassen diese vorläufigen Ergebnisse keine weitreichenden Schlüsse zu. Sie sind weder zu verabsolutieren noch als Grundlage für Folgerungen über Ursache und Wirkung der Drogenabhängigkeit anzunehmen. Sie bedeuten vielmehr einen Anfang für weitere gezieltere und verfeinerte Studien, auch für langfristige Untersuchungen des Drogengeschehens, die im Kanton Zürich und auf gesamtschweizerischer Ebene für die nächste Zeit beschlossen oder geplant sind. Ausgewertet werden diese Ergebnisse vorerst vor allem in der Aufklärung von Lehrern und Elternzirkeln, die mit drogengefährdeten Jugendlichen zu tun haben.

22.02.1973

zl

 

«Man geht kaputt dabei»

 

Stephan Bosch

 

**In der Auffangstation Wollishofen wird für die Problemedrogen- und alkoholsüchtiger, verstossener und ausgeflippter Jugendlicher der Anfang einer Lösung gesucht**

 

"Wir haben eine Verschnaufpause", sagt Urs Iseli (24), Sozialarbeiter in der Auffangstation Wollishofen. "Wir haben zur Zeit nur acht Leute hier." Verschnaufen können mit Urs Iseli fünf weitere Leute in einem Wettlauf, bei dem es kaum Sieger gibt. Seit eineinhalb Jahren versuchen sie drogenabhängige Jugendliche, psychisch aus dem Gleichgewicht Geratene und junge Ausreisser "dem Anfang einer Lösung" ihr.er Probleme zuzuführen. 

 

Was die Auffangstation in Wollishofen an der Kilchbergstrasse 21 von Organisationen wie "Drop Im" und "Speak Out" unterscheidet, ist die Möglichkeit, Jugendlichen Unterkunft zu gewähren und damit viel intensiver helfen zu können. 18 Feldbetten gibt es im Untergeschoss des reformierten Kirchgemeindehauses. Ausserdem stehen Duschen und eine Kochgelegenheit zur Verfügung. 

 

**Auf der «Kurve»**

 

Die Jugendlichen, die in die Auffangstation kommen, werden vom "Drop In" und vom "Speak Out", oft auch von der Jugendberatungsstelle eingewiesen. Einige kommen auch aus eigenem Antrieb. Sie kommen, weil sie nicht mehr in der Lage sind, sich in ihrer Umwelt zurechtzufinden, was oft an einem elementaren Problem scheitert: an der Unterkunft. Es kommen "Fixer" und Alkoholiker, von zu Hause Ausgerissene und durchgebrannte Heimzöglinge. 

 

Im Jahresbericht heisst es: "Im Jahre 1972 wurden 3820 Übernachtungen notiert. Folgende Gruppen waren an diesem Resultat beteiligt: Jugendliche, die sich, auf der Kurve befanden (210). Vom Notfalldienst des "Drop In" wurden 60 Notfälle zugewiesen. 110 Jugendliche aus Zürich und 80 Jugendliche aus der übrigen Schweiz verschwanden wieder, ohne dass man mit ihnen auch nur ein Gespräch hätte führen können. Ausländische Jugendliche beanspruchten rund 600 Übernachtungen. 1210 Übernachtungen gingen auf das Konto von Jugendlichen, die wir betreuten, aber den Kontakt nach deren Wegzug verloren. 1340 Übernachtungen stellt jene Gruppe von Jugendlichen, die von uns betreut wurden und jetzt noch nachbetreut werden. 210 Übernachtungen fielen auf jene, die ausschliesslich von anderen Institutionen betreut wurden. Die durchschnittliche Übernachtungsdauer betrug ungefähr 8,6 Nächte.» 

 

**Immerhin ein Bett**

 

Neun Nächte, die ein Ausgeflippter im Durchschnitt in der Auffangstation Wollishofen verbringt, lösen seine Probleme nicht. Und das wissen die Sozialarbeiter. Was sie wollen, ist eine Annäherung, Beruhigung, den ersten Schritt.

 

Man führt Gespräche, man beobachtet, man versucht es mit Einfühlung - und bietet immerhin ein Bett zum Schlafen. Dann fasst man ein konkretes Ziel ins Auge; und das Ziel besteht meistens darin, für den Jugendlichen ein Zuhause zu finden, ihn an einem Ort unterzubringen, wo er auf Menschen und Verständnis stösst. Und wenn die Leute von der Auffangstation sich um die Lösung dieses konkreten Problems bemühen, sind sie mit ihrem Latein oft schon am Ende. Jetzt nämlich sollte die Mitarbeit der Mitmenschen einsetzen. Urs Iseli betont, dass man keine Geldspenden will und auch keinen Fernsehapparat, den zufällig keiner mehr braucht. «Wir wollen niemanden zu einem billigen Alibi verhelfen. Wir brauchen jüngere Familien und Ehepaare, die bereit sind, einen Jugendlichen samt seinen Schwierigkeiten aufzunehmen.» Und im Jahresbericht heisst es: «Die Hauptschwierigkeit, auf die wir in unserer Arbeit immer wieder stiessen, waren die nicht vorhandenen Plazierungsmöglichkeiten. Zeitweise wurden wir praktisch paralysiert durch die Tatsache, dass sich keine Familie oder Wohngemeinschaft fand, wenn man eine solche suchte.» 

 

Die Arbeit der Leute von der Auffangstation ist abends um fünf Uhr und morgens um elf, wenn geöffnet und geschlossen wird, nicht zu Ende. Tagsüber sind sie unterwegs bei Jugendämtern, Behörden und Eltern. Bei den Eltern stossen sie meist auf taube Ohren. "Für Ratschläge sind die Eltern kaum empfänglich." 

 

Eltern verschliessen sich oft vor der Tatsache, dass ein junger Sozialarbeiter viel besser in der Lage ist, die Probleme eines Jungen zu orten. Und die Gesellschaft, in der die verstörten Jugendlichen sich als 'Selbstständiges Individuum behaupten sollten, ist sehr selten bereit, zu anerkennen, dass Ausgeflippte ein Produkt der gesellschaftlichen Umstände sind. Bin Drogenabhängiger ist nicht kriminell, "Fixen" hat nichts mit Gut und Böse zu tun, "Fixen" resultiert meist aus der Abwesenheit der anderen. 

 

Die Auffangstation Wollishofen steht vor der schwierigen Aufgabe nachzuholen, was versäumt wurde. 

 

"Man geht kaputt dabei", sagt Urs Iseli. Doch resigniert haben weder er noch seine Kollegen. «Resignation wäre das Ende. Ich glaube, dass wir etwas geben können. Egal, wieviel, was und wie nützlich. Ich will mir nicht ein Alibi mit einer anderen Tätigkeit verschaffen.»

 

Niemand wird in der Auffangstation zu etwas gezwungen. Die Besucher werden als autonome Wesen respektiert. Sie müssen sogar damit rechnen, dass sie zum Verlassen aufgefordert werden, wenn eine Voraussetzung nicht vorhanden ist: die Bereitschaft und der Wille, die eigene Situation zu verändern.

 

Es ist vorgekommen, dass in der Auffangstation Stühle geflogen sind und Geschirr ,in Brüche gegangen ist. Es ist vorgekommen, dass sich Freundschaften entwickelt haben, aber das ist selten. Die «Scene»-Freundschaft, die nur dann verbindlich ist, wenn es ums Gift geht, ist häufiger. Eine Einundzwanzigjährige und ein Siebzehnjähriger, die in ihrer Not einmal die Auffangstation aufsuchten, sind trotz der Bereitschaft zu helfen, heute tot. 

 

"Die Leute treffen hier schubweise ein", sagt Iseli, "das hat nichts mit dem Wetter zu tun." Acht Personen sind für die Auffangstation der tiefste Stand seit 1971. Die vier Männer und zwei Frauen, von Stadt und Kanton besoldet, holen Luft: Doch der nächste Schub kommt ganz gewiss.

08.01.1974

zl

 

Heilen ist besser als strafen

 

Was halten Zürcher Fachleute von den Auswirkungen des kommenden neuen Betäubungsmittelgesetzes in unserer Stadt?

 

Im Parlament zu Bern steht eine bundesrätliche Gesetzesvorlage auf dem Programm, die, sollte sie in Kraft treten, ihre Wirkung vor allem in Zürich zeitigen wird. Soll Haschen und Fixen - oder etwas vornehmer ausgedrückt: soll der persönliche Konsum von Betäubungsmitteln künftig strafbar sein oder nicht? Das ist die Frage, in der sich zur Zeit helvetische Volksvertreter in den Haaren liegen. 

 

Bereits entschieden hat sich in der letzten Session der Ständerat: mit 20 zu 2 Stimmen einigte sich das «Stöckli» auf «strafbar» und damit auf die vom Bundesrat vorgeschlagene Fassung des neuen «Betäubungsmittelgesetzes». Die Detailberatung der einzelnen Gesetzesparagraphen konnte dann allerdings in den von den Bundesratswahlen beherrschten Sitzungen nicht mehr unter Dach gebracht werden. 

 

Doch welche Änderungen würden die neuen Betäubungsmittelbestimmungen für HaschKonsumenten, Fixer (nach Schätzungen der Drogenberatungsstelle gibt es in Zürich augenblicklich deren 500). Händler, Fürsorgestellen und Polizeibeamte mit sich bringen?

 

Das revidierte Gesetz, von dem Robert Schönbächler. der Drogenchef der Zürcher Polizei, «viel». andere Zürcher Drogenfachmänner «wenig» halten, sieht im wesentlichen folgende Revisionspunkte vor: 

 

• Zu den bisherigen strafrechtlichen Massnahmen kommen solche medizinischer und fürsorgerischer Art. Das heisst: dIe einzelnen Kantone werden aufgefordert, die zur Aufklärung und Beratung notwendigen Einrichtungen zu schaffen. Dabei geht es vor allem um die berufliche und soziale Wiedereingliederung von Leuten, die wegen Betäubungsmittelmissbrauchs der ärztlichen oder fürsorgerischen Betreuung bedürfen. 

 

• Die Halluzinogene (LSD, Mescalin usw.) und alle Amphetamine sollen den Betäubungsmitteln gleichgestellt werden. 

 

• Die Strafen gegen Händler sollen in (schweren Fällen) Zuchthaus bis zu 20 Jahren oder Gefängnis und Busse bis zu 50`000 Franken betragen. 

 

Nach dem neuen Gesetz soll aber auch der Konsum geahndet werden: wer inskünftig Betäubungsmittel «vorsätzlich konsumiert», hat mit Haft oder Busse zu rechnen. Für den Fall des erstmaligen Konsums ist eine Verwarnung vorgesehen. 

 

Die ständerätliche Kommission, die das Gesetz vorberiet, war zuerst anderer Meinung als die Bundesratsvorlage. Nach ihrem Antrag sollte der Konsum von Betäubungsmitteln nicht unter Strafe gestellt werden. Sozialmedizinisches Hauptargument: Süchtige würden aus Furcht vor Strafe nicht mehr wagen, sich zur Behandlung zu einem Arzt zu begeben. Eine strafrechtliche Verfolgung störe so die wichtigen therapeutischen Massnahmen. Juristisches Argument für die Straffreiheit der Konsumenten: es könnte nur eine sehr kleine Zahl von Verstössen gegen diese Strafbestimmung auch wirklich geahndet werden. Die grosse Dunkelziffer würde eine Rechtsunsicherheit mit sich bringen. 

 

Der Zuger Freisinnige Andermatt, assistiert von seinem Zürcher Parteikollegen Honegger, brachte es dann allerdings fertig, die Ständevertreter auf den «harten Kurs» zu trimmen: Straffreiheit steigere in jedem Fall den Drogenkonsum und wirke sich auch zugunsten der Drogenhändler aus. Händler könnten in vielen Fällen nur über die Konsumenten erfasst werden. Die Behörden dürften zudem nicht den Eindruck aufkommen lassen. sie würden «im Kampf gegen die Drogen weich». Von der Strafandrohung könne man eine «generalpräventive Wirkung» erwarten.

 

Nicht ganz gleicher Meinung ist der Zürcher Psychologe «Ernst Spengler»: in seinen Augen ist der Drogenabhängiger «ein Kranker, ein Hilfsbedürftiger». Damit sei auch klar. dass eine Bestrafung den Abhängigen in seinem Grundkonflikt um keinen Deut weiterbringt: «Es ist wie wenn man Bettnässen mit Strafen heilen wollte.» Das Konsumverbot führe auch zu einer «zusätzlichen Konfrontation von Jugendlichen mit Polizei und Strafbehörden». 

 

Noch weiter geht Psychiater und Drogenfachmann Berthold Rothschild. Er glaubt, dass ein grosser Teil der Probleme, die mit dem Drogenkonsum zusammenhängen. nicht aus der Droge selbst. sondern aus dem immer wiederkehrenden Versuch hervorgeht, das Problem mit rechtlichen Sanktionen zu lösen: «Junge Menschen werden durch Handlungen, die ihnen subjektiv an keiner Weise als Delikte vorkommen können, in eine Kriminalisierung und Illegalisierung dessen gedrängt, was sie als historisch kulturelle Entwicklung in sich ablaufen lassen.» 

 

Dass einer solchen Entwicklung mit Verboten nicht beizukommen ist, zeigen auch die amerikanischen Erfahrungen: trotz schärfsten Massnahmen war es den Amerikanern zur Zeit ihrer Alkoholprohibition nicht gelungen, die Herstellung und den Konsum von alkoholischen Getränken einzudämmen. Einzige Folge der Aktion: der Alkohol geriet in den Sog der Unterweltskriminalität - womit das Verbot eines Übels ein noch grösseres Übel hervorrief. 

 

Die Prioritäten auf dem Weg zur Lösung des Drogenproblem, setzt deshalb Ambors Uchtenhagen vom sozialpsychiatrischen Dienst der Zürcher Universitätsklinik anderswo: «Alles, was die junge Generation zu einem vermehrten gesellschaftlichen Engagement in ihrem eigenen Sinn ermutigt, ist mit aller Wahrscheinlichkeit die beste Prophylaxe und Behandlung unserer Drogenprobleme.»

 

Stefan C. Kaspar

17.08.1974

TAT

 

Das süsse Leben der türkischen Mohnbauern

 

Nach dreijähriger Unterbrechung erhielten soeben 100 000 türkische Bauern wieder eine Regierungslizenz für den Anbau von etwa 200 Tonnen asiatischem Schlafmohn auf 200 000 Morgen Anbaufläche. Im Parlament von Ankara hatten sich zuvor alle Parteien für die Aufhebung des Anbauverbots, das von den USA durchgesetzt und subventioniert worden war, ausgesprochen. Eine Delegation des Kongressausschusses für die Rauschgiftbekämpfung wurde vom türkischen Ministerpräsidenten Bülent Ecevit noch nicht einmal empfangen. Die Türkei war früher der grösste Rohopium-Produzent der Welt. 80 Prozent aller legalen und illegalen Opiumprodukte stammten aus dem Bosporusland. Das Anbauverbot hatte zwar zu einem Rückgang des Angebotes auf dem illegalen Markt geführt, die illegale Produktion jedoch keineswegs ganz beseitigt. Jetzt will die Regierung in Ankara den Anbau lückenlos kontrollieren und den Verkauf selbst übernehmen. Bei der traditionellen Korruptheit der türkischen Staatsbeamten auf allen Ebenen dürfte dieser Absicht kaum viel Erfolg beschieden sein.Die Türkei ist nach wie vor mit einem engmaschigen Netz illegaler Handelketten überzogen, die in Zusammenarbeit mit Grossgrundbesitzern und bestochenen Bürgermeistern nun wieder gross ins Geschäft einsteigen können. Internationale Polizeidienststellen rechnen denn auch bereits mit einem rapiden Wiederanstieg der Rauschgiftdelikte im kommenden. Jahr. Der Mohnanbau ermöglicht den damit beschäftigten Bauern ein verhältnismässig <<süsses Leben>>. Die anspruchslose Pflanze, die 80 bis 100 Zentimeter hoch wird, gedeiht selbst auf dem steinigsten und trockensten Boden im Flachland sowohl wie im Hochgebirge. Die Ernte verlangt zwar eine intensive Handarbeit. Die Blütenknollen müssen angeritzt werden, bis eine weisse Flüssigkeit austritt, die sich an der Luft braunfärbt. In diesem Stadium wird der inzwischen zu einer knetartigen Masse erstarrte Saft abgeschabt. Das zu harten Platten gepresste Rohopium ist unbegrenzt haltbar und leicht zu transportieren. Für die nur über schlechten Boden verfügenden und durch die schlechte Verkehrslage behinderten Bauern ist es also das begehrenswerteste Handelprodukt.

 

Die Arbeit auf den Molhnfeldern, von Mai bis September, obliegt ausschliesslich den Frauen. Die Männer schlafen unterdessen den Schlaf der Ungerech ten, fächeln sich mit Hühnerfederwedeln Luft zu, rauchen die Wasserpfeife, trinken Kaffee oder Tee und spielen das monotone Brettspiel Trick-Track. Um die Frauen besser kontrollieren zu können, legt man die Felder möglichst nahe bei den Dörfern an. Experten sind sich darüber einig, dass man Anbauflächen und Produktionskapazität ebenso wenig genau überprüfen kann wie den illegalen Handel. Da die Erzeuger von den illegalen Händlern das Drei- bis Fünffache des Preises erhalten, den die Regierung zahlt, gibt es einen weiten Spielraum für einträgliche Schwarzmarktgeschäfte.

 

Es trifft zu, dass in der Türkei auf vielen Feldern, auf denen seit 600 bis 2000 Jahren der Mohn blüht, kaum etwas anderes gedeiht. Hinzu kommt, dass der Opiatanbau der Bequemlichkeit der lethargischen Bauern weitgehend entgegenkommt, die an einem arbeitsintensiveren Anbau kein Interesse haben, weil sie einen Löwenanteil ihrer Ernte ohnehin an den Grossgrundbesitzer abtreten müssen. Die einzige Lösung wäre eine Landreform, welche die Pächter zu Grundeigentümern machen würde und die eine Umsiedlung von Bauern in fruchtbarere Gegenden einschliessen müsste. Diese Landreform steht zwar auf dem Programm der so, zialdemokratischen republikanischen Volkspartei des neuen türkischen Ministerpräsidenten Ecevit, die durch die gleiche Regierung verfügte Wiederzulassung des Mohnanbaues lässt aber darauf schliessen, dass man in der Türkei auch weiterhin den Weg des geringsten Widerstandes gehen will. Die Zeche werden die Rauschgiftsüchtigen in den USA und ihre Leidensgenossen in der übrigen Welt zahlen. Und das alles nur. damit 100 000 Opiumbauern am Bosporus weiter ihr süsses Leben haben.

 

Jann de Coster

14.08.1974

tat

 

Das süsse Leben der Türkischen Mohnbauern

 

Nach dreijähriger Unterbrechung erhielten soeben 100 000 türkische Bauern wieder eine Regierungslizenz für den Anbau von etwa 200 Tonnen asiatischem Schlafmohn auf 200000 Morgen Anbaufläche. Im Parlament von Ankara hatten sich zuvor alle Parteien für die Aufhebung des Anbauverbots, das von den USA durchgesetzt und subventioniert worden war, ausgesprochen. Eine Delegation des Kongressausschuses für die Rauschgiftbekämpfung wurde vom türkischen Ministerpräsidenten Bülent Ecevit noch nicht einmal empfangen.

 

Die Türkei war früher der grösse Rohopium-Produzent der Welt 80 Prozent aller legalen und illegalen Opiumprodukte stammten aus dem Bosporusland. Das Anbauverbot hatte zwar zu einem Rückgang des Angebotes auf dem illegalen Markt geführt, die illegale Produktion jedoch keineswegs ganz beseitigt. Jetzt will die Regierung in Ankara den Anbau lückenlos kontrollieren und den Verkauf selbst übernehmen. Bei der traditionellen Korruptheit der türkischen Staatsbeamten auf allen Ebenen dürfte dieser Absicht kaum viel Erfolg beschieden sein. Die Türkei ist nach wie vor mit einem engmaschigen Netz illegaler Handelsketten überzogen, die in Zusammenarbeit mit Grossgrundbesitzern und bestochenen Bürgermeistern nun wieder gross ins Geschäft einsteigen können. Internationale Polizeidienststellen rechnen denn auch bereits mit einem rapiden Wiederanstieg der Rauschgiftdelikte im kommenden Jahr. Der Mohn anbau ermöglicht den damit beschäftigten Bauern ein verhältnismässig "süsses Leben". Die anspruchslose Pflanze, die 80 bis 100 Zentimeter hoch wird, gedeiht selbst auf dem steinigsten und trockensten Boden im Flachland sowohl wie im Hochgebirge. Die Ernte verlangt zwar eine intensive Handarbeit. Die Blütenknollen müssen angeritzt werden, bis eine weisse Flüssigkeit austritt die sich an der Luft braun färbt. In diesem Stadium wird der in- zwischen zu einer knetartigen Masse erstarrte Saft abgeschabt. Das zu harten Platten gepresste Rohopium ist unbegrenzt haltbar und leicht zu transportieren. Für die nur über schlechten Boden verfügenden und durch die schlechte Verkehrslage behinderten Bauern ist es also das begehrenswerteste Handelsprodukt.

 

Die Arbeit auf den Mahnfeldern, von Mai bis September, obliegt ausschliesslich den Frauen. Die Männer schlafen unterdessen den Schlaf der Ungerechten, fächeln sich mit Hühnerfederwedeln Luft zu, rauchen die Wasserpfeife, trinken Kaffee oder Tee und spieJ.en das monotone Brettspiel Trick-Track. Um die Frauen besser kontrollieren zu können, legt man die Felder möglichst nahe bei den Dörfern an. Experten sind sich darüber einig, dass man Anbauflächen und Produktionskapazität ebenso wenig genau überprüfen kann wie den illegalen Handel Da die Erzeuger von den illegalen Händlern das Drei- bis Fünffache des Preises erhalten, den die Regierung zahlt, gibt es einen weiten Spielraum für einträgliche Schwarzmarktggschäfte.

 

Es trifft zu, dass in der Türkei auf vielen Feldern, auf denen seit 600 bis 2000 Jahren der Mohn blüht, kaum etwas anderes gedeiht Hinzu kommt, dass der Opiat-Anbau der Bequemlichkeit der lethargischen Bauern weitgehend entgegenkommt, die an einem arbeitsintensiveren Anbau kein Interesse haben, weil sie einen Löwenanteil ihrer Ernte ohnehin an den Grossgrundbesitzer abtreten müssen. Die einzige Lösung wäre eine Landreform, welche die Pächter zu Grundeigentümern machen würde und die eine Umsiedlung von Bauern in fruchtbarere Gegenden einschliessen müsste. Diese Landreform steht zwar auf dem Programm der sozialdemokratischen republikanischen Volkspartei des neuen türkischen Ministerpräsidenten Ecovit. Die durch die gleiche Regierung verfügte Wiederzulassung des Mohnanbaues lässt aber darauf schliessen, das, man in der Türkei auch weiterhin den Weg des geringsten Widerstandes gehen will. Die Zeche werden die Rauschgiftsüchtigen in den USA und ihre Leidensgenossen in der übrigen Welt zahlen. Und das alles nur. damit 100 000 Opiumbauern am Bosporus weiter ihr süsses Leben haben.

 

Jaan de Coster

 

Riesiger Rauschgiftfang

 

New York: Beamte des amerikanischen Bundesamtes zur Bekämpfung des Rauschgiftschmuggels in New York haben eine Sendung Heroin von 90prozentiger Reinheit im Grosshandelswert von drei Millionen Dollar (rund 9 Mill. Franken), das einen Schwarzmarktwert von 112 Millionen Dollar (etwa 330 Mill. Franken) hat, beschlagnahmt und in Verbindung mit dem Fall fünf Personen festgenommen. Das Rauschgift war in einer als antike Möbel deklarierten Schiffsladung versteckt, die aus Frankreich kam. Unter den Festgenommenen befinden sich vier Franzosen und ein argentinischer Staatsangehöriger.

15.10.1974

 

Neue Zürcher Zeitung

 

Der Stadtrat zum Drogenproblem unter Jugendlichen

 

Die Zürcher «Riviera» - Tor zum Drogenrausch?

 

am. Das oberste Teilstück des rechten Limmatufers, Im Volksmund allgemein «Riviera» genannt, bildet nicht nur einen willkommenen Treffpunkt für Jugendliebe aus Zürich und der ganzen Welt, sondern ist zudem für viele das eigentliche Tor zum Drogenrausch. Das geht aus einer über das Wochenende veröffentlichten Antwort des Stadtrats auf eine Schriftliche Anfrage von Gemeinderat J, Lothar Meyer (na.) hervor.

 

Gemeinderat Meyer hatte den Stadtrat gefragt, wie gross unter den jungen Leuten an der «Riviera» der Prozentsatz der Drogenabhängigen sei, ob man bei polizeilichen Kontrollen Drogen gefunden und Drogenhändler festgestellt habe und was der Stadtrat zum Schutz unserer jungen Mitbürger zu unternehmen gedenke. Besonders hingewiesen hatte Lothar Meyer noch auf den Umstand, dass es vor allem Jugendliebe «internationaler Herkunft» seien, die die «Riviera» bevölkern. 

Der Stadtrat bestätigt einleitend, dass bei schönem und warmem Wetter viele junge Leute die «Riviera» aufsuchen. Darunter befinden sich auch zahlreiche ausländische Jugendliche, die sich in der Regel nur kurzfristig in Zürich aufhalten. Für sie bilde die «Riviera» einen willkommenen Treffpunkt, wo sie ungezwungen Kontakt zur hiesigen Jugend finden könnten. 

 

Wie viele haben mit Drogen Kontakt? 

 

Nach Schätzung der Beamten der Betäubungsmittelgruppe der Kriminalpolizei dürften an nicht schulfreien Tagen gegen 80 Prozent der sich an der «Riviera» aufhaltenden Jugendlichen als Personen mit Drogenerfahrung bezeichnet werden, das heisst als solche, die mit Drogen schon ein- oder mehrmals direkten Kontakt hatten. An schulfreien Tagen und zur Ferienzeit dürfte die Schätzung eindeutig tiefer liegen, doch laufen gerade zu diesen Zeiten die hiesigen Jugendlieben in besonderem Mass Gefahr, mit Drogen in Kontakt zu kommen. 

Wie der Stadtrat weiter ausführt, Ist die Zahl der Drogenabhängigen - welche fortgesetzt Drogen konsumieren, indem sie diese Stoffe rauchen, schnupfen, einnehmen oder einspritzen - wegen der Dunkelziffer äusserst schwer zu ermitteln. Schweizerisch gesehen, Ist die Zahl der strafrechtlich Erfassten seit 1969 ständig im Steigen begriffen. 1969 waren es noch 521 Fälle, doch stieg diese Zahl im Jahr 1973 auf 4836. Der Anteil der unter 17jährigen stieg im gleichen Zeitraum von 18,4 auf 31,7 Prozent. Diese Zahlen sind auch für Zürich verwertbar. Umfragen unter Schillern und Lehrlingen im Alter von 13 bis 20 Jahren In Basel und Zürich haben ergeben, dass der Anteil der Drogenkonsumenten in Basel 18 Prozent, in Zürich 11 Prozent beträgt. Bei den Rekruten (19jährige) war der Anteil dieser Kategorie 25 Prozent. Festzustellen ist auch, dass die Zahl der Fixer stark im Ansteigen begriffen ist. Kontrollen durch die Polizei Kein anderer Ort In der Stadt wird so oft (und zwar tagtäglich von den Beamten der Betäubungsmittel und der Fahndungsgruppe kontrolliert wie die «Riviera». Es sind denn auch schon Drogenhändler festgenommen und In diesem Zusammenhang verschiedene Betäubungsmittel sichergestellt worden. Doch scheint die «Riviera» In erster Linie der Kontaktnahme zwischen Drogenhändlern und Konsumenten zu dienen. Der Handel selbst, vor allem mit grösseren Mengen von Betäubungsmitteln, findet in der Regel an abgelegeneren Orten statt. Gerade dies zeigt nach der Ansicht des Stadtrats, dass das Drogenproblem Innerhalb der Stadt Zürich nicht auf die «Riviera» lokalisiert werden kann. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass vor allem abhängige Konsumenten sogenannter harter Drogen - Opium, Morphium, Heroin, LSD - nur sporadisch an der «Riviera auftauchen, gewöhnlich dann, wenn sie hoffen, dort allfälligen «Stoff» zu erhalten. Vor allem die sogenannten «Fixer» ziehen sich zurück und vereinsamen. Ein sehr hoher Prozentsatz dieser bedauernswerten Opfer verlässt nicht nur das Elternhaus, sondern auch Schule oder Lehre.

 

Es fehlt an Entzugsstationen Die polizeilichen Massnahmen richten sich in erster Linie auf die Eruierung der Händler und Zwischenhändler und auf die Sicherstellung der Stoffe aus. Neben dieser repressiven polizeilichen Tätigkeit arbeitet die Polizei mit dem Sozialamt und dem Schulärztlichen Dienst an allen Massnahmen mit, die geeignet sind, die Jugendlichen vom oft verhängnisvollen Drogenkonsum abzuhalten. Sie ist im übrigen, auf die medizinischen Betreuungsstellen angewiesen, welche der Polizei die drogenabhängigen Leute, die ärztliche Hilfe notwendig haben, abnimmt. Auch die Sozialarbeiter des Fürsorgeamts, der Amtsvormundschaft und des Jugendamts III befassen sich mit der Betreuung drogengefährdeter Jugendlicher. Es Ist aber festzustellen, dass für schwere Fälle vor allem geeignete Entzugsstationen heute noch fehlen. Die Rückfallquote Ist denn auch auf diesem Gebiet verhältnismässig hoch. Eine psychiatrische Jugendklinik, die als Projekt ausführungsreif vorliegt, musste vom Regierungsrat aus finanzpolitischen Erwägungen auf die Warteliste gesetzt werden.

 

Polizeiliche Massnahmen genügen nicht

 

Der Stadtrat erklärt dann weiter, dass polizeiliche Massnahmen nicht genügen. Die Behandlung Drogenabhängiger ist ein äusserst schwieriges Problem. Von den Fachleuten werden zwei verschiedene Auffassungen vertreten: Die eine Richtung zieht die sogenannte «harte Tour» vor, welche die Entwöhnung in Strafanstalten unter Erzieherkontrolle vorsieht, während die «weiche Richtung» versucht, mit der Motivationstheorie auf freiheitlicher Basis zum Ziel zu gelangen. 

«Der Drogenmissbrauch ist eine sozialepidemische Erscheinung unserer heutigen Zeit, in der die Bindungen inenerhalb der Familie vielfach immer loser geworden sind», schreibt der Stadtrat abschliessend. «Dort liegt auch die grosse Gefahr, indem der notwendige Zusammenhang zwischen Eltern und Kindern oft zu wünschen übrig lässt. Alle Anstrengungen von behördlicher Seite sind so lange zum Scheitern verurteilt beziehungsweise haben nur eine, sehr beschränkte Wirkung, als die Drogenabhäingigen nicht in weit stärkerem Mass als bisher von ihnen nahestehenden Personen ständig betreut und In positivem Sinn beeinflusst werden. Die bisherigen Erfahrungen zeigen deutlich, dass, wenn überhaupt, nur der auf gegenseitigem Vertrauen basierende enge und dauernde Kontakt von Mitmensch zu Mitmensch einigermassen Gewähr für eine erfolgreiche Aufklärung beziehungsweise für eine Besserung im Einzelfall bieten kann. Für diese Aufgabe bieten sich aber in erster Linie die eigene Familie, Vater und Mutter oder l Geschwister an.»

 

AM

17.10.1974

 

nzn

 

Selbsthilfeaktionen zu wenig gewürdigt?

 

Auf die Antwort des Zürcher Stadtrates auf eine Schriftliche Anfrage von Gemeinderat Lothar Meyer zur Bedeutung der Zürcher «Riviera» als Drogenumschlagplatz (am Montag in den NZN publiziert) hat der Jugenddepeschendienst Schweiz eine Entgegnung herausgegeben, die wir im folgenden, leicht redigiert, wiedergeben.

 

Mit einer grossen Überschrift «Riviera - Tor zum Drogenrausch?» wurden in den letzten Tagen in verschiedenen Tageszeitungen die Besucher der «Riviera » nicht gerade schmeichelhaft mit Drogenhändlern, Drogenkonsumenten oder Besucher mit Drogenerfahrung (bis zu 80 Prozent) gleichgestellt. Mit Stolz weist der Stadtrat als Verfasser den Antwort auf die Anfrage von Gemeinderat Lothar Meyer (NA) darauf hin, dass kein anderer Ort in der Stadt so gründlich von der Stadtpolizei kontrolliert würde. Mit einem eigens kreierten Begriff «Der Drogenmissbrauch sei eine sozialepidemische Erscheinung » und der Erklärung, es fehle an Entzugsstationen, und es sei in erster Linie die Aufgabe der Familie, Vater, Mutter und Geschwister, den Drogenmissbrauch zu verhindern, versucht der Stadtrat seine Hände sauber zu halten. 

Sicher ist die Erziehungsfunktion der Eltern auch die, die Kinder und Jugendlichen zu einer sinnvollen Freizeitgestaltung anzuregen. Wo aber der Staat, wie zum Beispiel in Zürich nicht fähig ist, entsprechende Einrichtungen zu schaffen. kann kaum nur den Eltern die Schuld in die Schuhe geschoben werden. Es ist zum Beispiel eine Tatsache, dass die unabhängige Beratungsstelle Speak-out, eine Selbsthilfeorganisation von Jugendlichen für Jugendliche bei der Realisierung ihrer Projekte von den Behörden nicht gerade zuvorkommend behandelt wird. Dem Speak-out sind die geschilderten Zustände seit einiger Zeit bekannt. Das Speak-out ist eine Basisorganisation, die ihr Arbeitsfeld nicht in den Verwaltung, sondern am Ort der Problematik hat. Als sie an der Riviera während den Sommermonaten eine mobile Beratungsstelle mit dem Speak-out Auto betreiben wollte, musste sie mehrere Monate auf die Erteilung einer Bewilligung warten.

 

Es ist bedenklich, dass im Bericht des Stadtrates vom 18.09.1974 im Zusammenhang mit der Riviera nicht auch auf diese privaten Bemühungen von Speak-out hingewiesen wurde. Die Abwälzung des Drogenproblems auf das Elternhaus zeigt deutlich die Unfähigkeit der zu ständigen Instanzen, die Lage und Bedürfnisse der Jugend richtig einzuschätzen. Solche einseitigen Informationen mögen die Vorurteile der Öffentlichkeit weiter schüren. aber eine Hilfe für die in der Jugendarbeit tätigen Organisationen ist es nicht.

 

jdps

20.11.1974

 

Gemeinderat von Zürich

 

Schriftliche Anfrage von Lothar J .Meyer

 

In einem reisserischen Artikel in einer Limmattaler Publikation, die im Kanton Aargau gedruckt wird, wird in einem langen Bericht über den Drogenhandel im Limmattaler direkt die Drogenabteilung der Stadtpolizei Zürich erwähnt. Es wird in diesem Artikel wörtlich zitiet: 

"In Zürich wurde ein Drogenspezialist der Stadtpolizei namens G. schon beim Haschischrauchen fotografiert. Dieser Kerl nimmt einem Dealer beispielsweise drei Kilo ab und übergibt 2 Kilo der Polizeistelle, ein Kilo behält er. Ich weiss nicht, ob zum Verkauf auf eigene Rechnung oder zum Selbstverbrauch"

 

Ich frage den Stadtrat an :

Entspricht diese Aussage den Tatsachen, wenn nicht, ist der Stadtrat bereit,

a) zum Schutze seiner Rechtsorgane die notwendigen gesetzlichen Schritte einzuleiten1um dieser (Drogenabteilung der Stapo) die dringend notwendige Rückendeckung zu verschaffen,

b) diese Stellungnahme in einer Limmattaler Zeitung bekannt zu geben, um der Bevölkerung das notwendige Vertrauen in seine Polizei zu erhalten.

 

Lothar J. Meyer

13.02.1975

 

Ta

 

Polizei konzentriert sich auf Schmuggler und Dealer

 

Die Drogendelikte nehmen weiterhin zu

 

Auch im vergangenen Jahr sind Delikte mit Betäubungsmitteln im Kanton Zürich erheblich angestiegen: Die Kantonspolizei hatte sich (ohne Stadt) mit 722 Delinquenten zu befassen, was einer Steigerung von 160 Personen gegenüber 1973 (fast 30 Prozent) bedeutet. Von den 722 Erfassten waren 314 Schmuggler oder Händler.

 

Wie die Betäubungsmittelgruppe bestätigte und die Zahlen beweisen, hat die Zürcher Polizei ihre Arbeit vor allem auf die Schmuggler und Dealer (Händler) ausgerichtet, um den Missbrauch an der Wurzel zu packen. So konnten die Beamten im vergangenen Jahr - wie aus dem Jahresbericht der Betäubungsmitteldeliktegruppe hervorgeht - eine beträchtliche Menge verschiedenster Drogen beschlagnahmen. Alarmierend ist auch der Trend zum harten Rauschmittel, der bereits eine erhebliche Zahl an Frührentnern «hervorgebracht» hat.

Die Zahl der In ein polizeiliches Ermittlungsverfahren einbezogenen Fixer (Konsumenten, die sich die Droge spritzen) ist im letzten Jahr um rund 100 Prozent auf 161 angestiegen, von denen bereits 85 derart von der Sucht befallen sind, dass sie arbeitsunfähig und folglich Frührentner geworden sind. Bei den genannten Zahlen sind die Quoten der Stadt Zürich ausgeklammert.

 

Insgesamt hatten 1286 Personen im Zusammenhang mit dem Betäubungsmittelgesetz auf dem ganzen Kantonsgebiet mit der Polizei zu tun (vgl. TA vom 22. Januar). Auch in der Stadt Zürich haben im letzten Jahr die Fälle mit harten Drogen um das Doppelte zugenommen.

 

Allein die Kantonspolizei hat 1974 unter anderem 2 Kilogramm Kokain, 2350 Einheiten (Dosis für einen «Trip») Morphin (Pulver, Tabletten oder Ampullen), Heroin, Amphetamin und Mescalin, 793 Gramm Opium, 492 LSDTabletten, 71 Kilogramm Cannabisharz und 2 Kilogramm Haschischöl beschlagnahmt. Auf dem Stadtgebiet fielen der Polizei etwa die gleichen Mengen an harten Drogen in die Hände.

 

Den Hauptharst der Delinquenten stellen die 16- bis 23jährigen. Die altersmässige Aufgliederung der 722 von der Kantonspolizei Erwischten (138 davon waren Frauen) ergibt folgendes Bild: 4 waren weniger als 14 Jahre alt, 34 zwischen 14- und 16jährig, 129 zwischen 16- und 18jährig, 153 zwischen 18- und 20jährig, 205 zwischen 20 und 23 Jahre alt, während die Personen über 23 Jahren «nun> noch ein «Kontingent» von 197 stellen.

 

Die einzige etwas erfreulichere Zahl 1ässt sich bei den Einbruchdiebstählen und Diebstahlversuchen in Apotheken finden, bei denen die Drogenbeschaffung im Vordergrund gestanden haben dürfte: Während im Jahr 1973 auf dem ganzen Kantonsgebiet noch 49 solche Taten registriert worden waren, ging die Zahl im letzten Jahr auf 32 zurück. Rund die Hälfte dieser Einbrüche konnte bisher abgeklärt und die Täter verhaftet werden.

 

sta

12.03.1975

 

nzz

 

Tod durch unbekannte Droge

 

In der Nacht auf den Sonntag ist in einem Zimmer im Kreis 3 ein 24jähriger Hilfsarbeiter an einer Überdosis einer noch unbekannten Droge .gestorben. Die chemische und toxikologische Untersuchung des «Stoffes» ist noch im Gange; sicher ist, dass es sich um ein sehr gefährliches Rauschmittel handelt, das in Kombination mit Alkohol und Medikamenten tödlich wirkt. 

 

Der Hilfsarbeiter hatte am Samstag nachmittag einen Bekannten im Kreis 3 aufgesucht und war mit diesem in die Stadt gegangen, um eine Stereoanlage zu kaufen. Tm Laufe des Abends gesellte sich der 20jährige Bruder des Hilfsarbeiters dazu. Zu dritt assen sie in einem Restaurant zu Abend, wobei auch Alkohol konsumiert wurde. Später fuhren die beiden Brüder mit ihrem Motorrad zum Bellevue; während der jüngere einige Runden drehte, erstand der ältere, vermutlich in einem Lokal in der Gegend der Rämitrasse, für 300 Franken ein Gramm einer Droge, angeblich Heroin. Nach einiger Zeit fuhren die beiden zusammen mit der 24jährigen Freundin des Hilfsarbeiters wieder zum gemeinsamen Freund in den Kreis 3, wo erneut Wein getrunken wurde. Alle vier schnupften dann eine Prise des Rauschmittels: den verbleibenden Rest nahm der Hilfsarbeiter ein. Nach etwa zehn Minuten bekam er Atembeschwerden, seine Freundin musste sieb übergeben. Der Zimmermieter gab dem Hilfsarbeiter eine Beruhigungstablette, worauf beide Männer einschliefen. Der Bruder und die Freundin des Hilfsarbeiters versuchten dann, die beiden zu wecken. Als dies nicht gelang, holten sie gegen 2 Uhr einen Nachbarn zu Hilfe; dieser avisierte die Polizei. 

 

Für den Hilfsarbeiter kam jede Hilfe zu spät, er dürfte bereits eine Stunde vor der Ankunft von Polizei und Sanität tot gewesen sein. Der Zimmermieter wurde sofort in das Kantonsspital gebracht, wo er noch in derselben Nacht wieder entlassen werden konnte. Das Opfer war bereits früher der Polizei als Fixer bekannt. Allerdings hatte er vor einem Jahr mit dem Einspritzen von Heroin aufgehört, und nichts deutet darauf bin, dass er kurz vor seinem Tod wieder damit begonnen hätte.

 

Bereits in der Nacht auf den vergangenen Samstag hatte ein am Utoquai bewusstlos am Boden liegender junger Mann von der Polizei in die Intensivstation des Kantonsspitals gebracht werden müssen, da er unter Drogeneinfluss stand. Der inzwischen als ein seit Jahren stark drogenabhängiger 22jähriger Hilfsarbeiter identifizierte Mann ist erst am Montag aus seiner Ohnmacht erwacht.

 

Drei weitere Männer hat die Kantonspolizei in den letzten Wochen und Monaten wegen wiederholter Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz verhaften müssen. Ein 34jähriger Bauschlosser, wegen Drogendelikten bereits vorbestraft, hatte nach seiner Entlassung wieder Haschisch und Marihuana sowie LSD und Opium konsumiert und sich später auch Kokain und Morphin injiziert. Schliesslich verlegte er sich auf den Drogenhandel und setzte innerhalb knapp zweier Monate Haschisch und Morphin im Wert von 20 000 Franken um. Ein 21 jähriger Taxichauffeur hatte seine gesamten Ersparnisse, nämlich 25 000 Franken, innert kürzester Zeit für den Kauf des «Stoffes» aufgebraucht und war dann ebenfalls in den Drogehandel eingestiegen, um zu Geld zu kommen. Ein 38jähriger Bodenleger schliesslich kaufte rund 90 Gramm Heroin für 11 450 Franken, präparierte daraus Portionen zu 0,9 Gramm und verkaufte die Ware an einen Dealer im Tessin.

 

Dass Drogenkonsumenten oft vor Straftaten nicht zurückschrecken, um zum Rauschmittel zu gelangen, bestätigt sich leider immer wieder. So ist in der Nacht auf den Dienstag in einer Apotheke im Kreis 11 eingebrochen worden; der unbekannte Täter brach den Giftschrank und den Betäubungsmittelkasten auf und stahl daraus eine noch unbekannte Anzahl verschiedener Drogen.

 

-g

13.08.1975

 

nzn

 

Drogen-Tod im Restaurant-WC

 

Am Montagabend starb in der Toilette der Brasserie an der Rämistrasse ein 26jähriger Mann, vermutlich an einer Überdosis Rauschgift. Er ist der sechste Rauschgift-Tote in der Stadt Zürich seit 1971, der dritte Innerhalb von acht Monaten!

 

Als der Geschäftsführer der Brasserie am Montag gegen acht Uhr abends die auffällig lang verriegelte Toilette im Kellergeschoss öffnete, fand er auf dem WC-Deckel sitzend einen bewusstlosen, vollständig angekleideten Mann vor, umgeben von Injektionsspritze, Feuerzeug, Löffel und Nadeln - den Utensilien Süchtiger. Die alarmierte Polizei stellte den Tod des 26jährigen fest, der Erkennungsdienst identifizierte ihn als einen der Polizei wegen Rauschgift- und andere Delikten seit 1968 bekannten Süchtigen, der 1973 auf harte Drogen umgestiegen war, voriges Jahr eine Entwöhnungskur durchmachte und sich zuletzt als drogenfrei bezeichnete, sich aber offenbar am Montag doch eine Überdosis spritzte. Dieser neueste Fall ist der sechste in der 1971 begonnenen Reihe. Damals forderte die Drogenszene ihr erstes Opfer, als ein Kantonsschüler sich im LSD-Rausch von einer Autobahnbrücke stürzte. 1972 starben ein 19jähriger (nach einem Amphetamin-Horrortrip) und eine 21Jährige Frau. Die zwei letzten Opfer waren im Dezember und März zu registrieren - drei Todesfälle infolge Rauschgiftkonsum also innerhalb von acht Monaten.

 

Entdeckte Schmuggler 

 

Die Zulieferer für den Drogenmarkt bleiben auch aktiv. So wurde im Flughafen Kloten ein 32jähriger Pakistaner verhaftet, der im Koffer versteckt 5,1 kg Haschisch mit sich führte. Der Stoff hätte dem Schweizer Abnehmer - der im Tessin wohnt und dort in Untersuchung genommen wurde - pro Gramm fünf Franken eingetragen. Der «erfolglose» Pakistaner kommt um eine versprochene «Transport-Belohnung» von 500 Dollars. Weil ihm - wie er sagt - in den Bangkok-Ferien das Geld ausging, liess sich ein 22jähriger Mechaniker zu einem Marihuana-Transport anheuern. In Kloten fanden die Zöllner 15,68 kg Stoff im Schwarzmarktwert von fast 80 000 Franken. Der Beschuldigte will vom Inhalt der Koffer nichts gewusst haben ... 

 

Warenhausdiebe…

Dank der Aufmerksamkeit eines Lehrlings konnten Detektive der Kantonspospolizei in einem Warenhaus in Zürich 1 einen 41jährigen Spanier verhaften, der eben einen Pullover mitlaufen lassen wollte. Seit Anfang Jahr, so stellte sich heraus, hatte er rund 2000 Ladendiebstähle begangen. Ursprünglichch wollte er damit nur einen Diebstahl, bei welchem er Geschädigter war, «kompensieren», doch er kam auf den Geschmack und machte weiter. So häufte er eine Delikt-summe von 20 000 Franken an.

Eine Hausdetektivin erwischte eine 46- jährige Span~rin, die eine Armbanduhr und eine Tasche entwendete, nach einer kurzen Verfolgung im Warenhaus stellend. Die Festgenommene hat seit Jahresbeginn an verschiedenen Orten Gegenstände im Wert von 2000 Franken gestohlen.

 

bg

12.11.1975

 

nzz

 

Wohin mit den Drogensucht-Verdächtigen?

 

Kürzlich ist hier berichtet worden, dass der Restaurateur der Brasserie Rämi Sorgen hatte mit Gammlern, Drogensucht-Verdächtigen und Dealern, die nach der vorübergehenden Schliessung des Cafes Odeon sein Lokal als Treffpunk auserwählt hatten. Nach anfänglicher Duldung wurden ihm diese meist jungen Leute jedoch zur Plage. Trotz rigoroser Hausordnung und permanenter Türkontrolle wurde er der Lage nicht Meister. Auch eine Wasserberieselungsanlage half nichts, die ein Wirt ein paar Häuser weiter oben hatte anbringen lassen, um sich vor der ständigen Belagerung der Fensterbänke und des Hauseingangs durch - wie sie sich selber oft bezeichnen - «verlauste» Zaungäste zu schützen.

 

Die «Brasserie» wird zurzeit für gehobenere Ansprüche umgebaut. Eine Rückkehr der unerwünschten Gäste ist kaum zu erwarten. Aber vom Erdboden verschwunden sind sie nicht Als neues Stammhaus suchten sie sich das «Rheinfelder Bierhaus» - besser bekannt als «Bluetige Tuume» - an der Marktgasse aus. Auch hier bot und biete sich ein ähnliches Bild: In kleinen Haufen stecken sie ihre Köpfe mit langen, klebrigen Haaren zusammen und gefallen sich in ihrer unappetitlichen Gewandung. Ein Radiogeschäft gegenüber hat kürzlich auf den als Sitzplätze benutzten Mauervorsprüngen unter den Schaufenstern mit Wasser gefüllte Schaumgummipolster angebracht, die aber von den Gammlern nachts rasch entfernt worden sind. Der Wirt des «Rheinfelder Bierhauses> sah sich gezwungen, gegen die immer stärker werdende Invasion vorzugehen, die seine bisherigen Gäste aus dem Arbeiterrestaurant verdrängte. Er hat Anweisung gegeben. dass jeder unbedient aus dem Lokal zu weisen sei, der im Verdacht steht, sich mit Haschisch und Drogen zu befassen. Darüber hinaus hat er vor zwei Tagen einen Maurer kommen lassen, der die Fensterbänke erhöhte, damit es unbequem ist, sich dort niederzulassen. Der Selbstschutz hielt nicht lange hin: schon in der Nacht darauf brachen Unbekannte einzelne Backsteine und Teile davon aus der Mauer.

Die Zahl dieser Sorte von Gästen hat sich bereits merklich vermindert. Aber auch dieses Mal werden sie sich nicht einfach in Luft auflösen. Wohin also mit den Drogensucht-Verdächtigen? Wo werden sie demnächst auftauchen? Diese Fragen beschäftigen in diesen Tagen viele Wirte in der Umgebung. Gäste und Kellner diskutieren eifrig darüber und spekulieren, welches Niederdorf-Etablissement am meisten Chancen haben könnte, an die Reihe zu kommen.

 

fro

11.05.1976

 

dt nr.110

 

Vor Drogenhandel kapituliert

 

An den Fenstern der Cafeteria Rämi-Pavillon, Ecke Rämi-/Stadelhoferstrasse beim Bellevue liest man folgende Ankündigung: 

 

«Sehr geehrter Gast, Ende dieses Monats schliesse ich die Cafeteria 'Rämi-Pavillon' für immer. Der Initial-Grund zu diesem Entschluss ist der grosse Schaden, der mir durch den letztjährigen, behördlich tolerierten Rauschgifthandel vor meinem Cafe entstanden ist Währenddem die Süchtigen aus AHV/IV-Geldern monatliche Renten beziehen, hat sich keine Behörde als kompetent erachtet, mit mir über irgendwelche Wiedergutmachung. sei es auch nur um ein behördliches Entgegenkommen, zu diskutieren. Ich danke an dieser Stelle allein meinen Gästen und speziell meinen langjährigen Kunden für das mir erwiesene Wohlwollen. Max Gräflein»

 

Belagerung 

 

Die Grunde, die das Ehepaar Gräflein nach 20 Jahren zur Aufgabe der markanten Cafeteria «Rämi-Pavillon» veranlassten, sind tatsächlich ungewöhnlich. Im vergangenen Jahr war die «Brasserie» (die nicht mehr existiert), wenige Schritte unterhalb der Cafeteria, zu einem Umschlagplatz für Rauschgifthändler und Konsumenten geworden. Ein rauschgiftsüchtiger junger Mann starb sogar im Lokal infolge einer Überdosis. Aber auch für die Cafeteria waren die Folgen spürbar. Max Gräflein: Unser Lokal wurde während eines halben Jahres regelrecht von drogensüchtigen Elementen belagert. Wir haben diesen Leuten konsequent das Betreten der Cafeteria untersagt. Der Auflauf dieser Leute hat unserem Betrieb aber schwer geschadet. Die anständigen Gäste kamen nicht mehr. Wir haben mit erheblichem Verlust gearbeitet. Die Stadtpolizei hat zwar hin und wieder die ärgsten 'Drogenleute' mitgenommen. Aber schon wenige Tage später tauchten sie wieder auf.>> Infolge der Belästigungen dachte Gräflein ernsthaft daran, eine Pistole zu erwerben. Auf jeden Fall wurde ihm die Sache zu bunt und er beschloss. den Restaurationsbetrieb aufzugeben. Hierzu veranlasste ihn noch ein weiterer Grund. Nach Ansicht von Gräflein stand die Behörde dem Treiben des Drogen- Milieus machtlos gegenüber. Schliesslich hatte er es satt. immer grössere Verluste hinnehmen zu müssen und sich mit den aggressiven Drogenleuten zu streiten. 

Die Cafeteria wird nun von der Galerie Koller AG in einen Kunstladen umgewandelt. Bereits prangen entsprechende Plakate und ein Nebenraum wurde bezogen.

Am Dienstagvormittag drängten sich Scharen von kauffreudigen Interessenten vor der Cafeteria. Liquidator Fritz Hodel, dem der Verkauf des Inventars übertragen wurde, hatte alles in bewährter Manier aufgestapelt und übersichtlich präsentiert. Infolge des Andranges konnten die Käufer nur schubweise das Lokal betreten. Die gesamte Inneneinrichtung von der Kühlvitrine bis zur Orangenpresse, vom Zuckerstreuer bis zum Chromstablbesteck war zu haben ...

 

s

23.08.1976

 

nzn

 

Die Drogenberatungsstelle zentralisiert

 

Dringendstes Bedürfnis In der Bekämpfung der Zürcher Drogenszene Ist die baldmöglichste Schaffung einer offenen Drogenklinik für vorerst 20 bis 40 behandlungswlllige Patienten. Wie Regierungsrat Peter Wiederkehr, Direktor des kantonalen Gesundheitsamtes, am Freitag anlässlich der Eröffnung der neugeschaffenen Psychiatrischen Beratungsstelle für Jugend und Drogenprobleme «Drop-in» an der Dufourstrasse 181 In Zürich 8 darlegte, sind noch zahlreiche Widerstände gegen diese Klinik aus dem Wege zu räumen, der Kanton sei aber In bezug auf die Standortfrage optimistisch.

 

Nach Wiederkehr stellten sich der Errichtung einer ersten kantonalen Drogenklinik für die stationäre Behandlung von Drogensüchtigen vier Schwierigkeiten in den Weg. Da wäre einmal der planerische Widerstand: Der Bedarf könne nicht genau ermittelt werden. zweitens erwüchsen der Realisation einer solchen Klinik von der Bevölkerung jeweils starker Widerstand (in der Vergangenheit wurden 20 Standorte geprüft). Weiter nannte Wiederkehr die teure und schwierige Betriebsführung sowie die geringe Heilungsquote bei Drogensüchtigen.

 

In bezug auf die erste Drogenklinik führte Wiederkehr aus, diese sollte aller Voraussicht nach in einigen Monaten in Betrieb genommen werden können. Sie ist vorerst für 20 bis 40 behandlungswillige Drogensüchtige geplant und soll der kantonalen Gesundheitsdirektion erste Erfahrungen vermitteln, insbesondere auch in bezug auf die Heilungserfolge. Je nach Bedarf sollen dann weitere Stationen im Kanton Zürich geschaffen werden. Wiederkehr versprach auch, dass diese Klinik professionell geführt würde. Sie wäre ganz sicher kein Ferienlager.

 

In fünf Jahren nahezu verdoppelt 

 

Die beiden Drogenberatungsstellen «Drop-in» an der Hermann-Greulich-Strasse und an der Höschgasse sind zum «Drop-in Zürich» zusammengelegt und an die Dufourstrasse 181 verlegt worden. Nach den Darlegungen von Privatdozent Dr. Ambros Uchtenhagen, Leiter des sozialpsychiatrischen Dienstes der Universität Zürich, wurde diese Verlegung notwendig, weil sich die Konsultationen im «Drop-in» seit seiner Gründung vor sechs Jahren nahezu verdoppelt haben. So stiegen die Konsultationen von 5750 im Jahre 1971 auf 9080 pro Jahr bis 1975. Die telefonischen Anrufe stiegen im gleichen Zeitraum von 4220 auf das Vierfache, nämlich 16 000 pro Jahr. Jedes Jahr rechnet das «Drop-im> mit rund 20 ärztlichen Notfalleinsätzen. Der Altersdurchschnitt der Patienten liegt bei 20 mit Spitzen bei den 17- und 18jährigen. Rund zwei Drittel sind männlichen, ein Drittel weiblichen Geschlechts. Die Patienten stammen aus allen sozialen Schichten. Das Einzugsgebiet ist die ganze Stadt Zürich und die nähere Umgebung. Ausnahmsweise kommen auch Patienten aus den Nachbarkantonen in die Zürcher Beratungsstelle. Das «Drop-im> wird nicht nur von Drogensüchtigen aufgesucht Es sind dies auch Lehrlinge, Schüler, Hilfs- und Gelegenheitsarbeiter, arbeitslose Jugendliche sowie junge Erwachsene mit grösser werdenden sozialen und seelischen Konflikten. Als grundsätzliches Ziel der gegenwärtig 16 Mitarbeiter (Aerzte, Psychologen, Sozialarbeiter, Krankenschwestern, Praktiker, Sekretärin) wird die «drogenfreie• Konfliktbewältigung angestrebt. Wie ein Mitarbeiter des «Dropin» ausführte, haben die Jugendlichen in den letzten Jahren gelernt, mit weichen Drogen (Haschisch und LSD) umzugehen. Wenn solche Patienten ins «Drop-in» kämen, so stünden immer relativ schwerwiegende Konflikte im partnerschaftlichen oder familiären Bereich dahinter. 

 

Eine effektivere Drogenpolitik

 

Das Problem des modernen Drogenkonsums Jugendlicher wird oft vom Drogenkonsum der übrigen Bevölkerung isoliert. Im gleichen Zusammenhang stehen die getroffenen strafrechtlichen Massnahmen. Die Tatsache, wie leicht gerade ein jugendlicher Drogenkonsument seinen Stoff wechselt, verdeutlicht nach Ansicht des «Drop-in» die Hilflosigkeit des Unterfangens, einem Teil der Drogenproblematik mit strafrechtlichen Mitteln zu begegnen. Die Einsicht, dass der Drogenkonsum zum Lebensstil in den Industrienationen dazugehört, sollte am Beginn der Überlegungen zu einer effektiven Drogenpolitik stehen. Nicht nur die Ausnahme - der Konsum illegaler Drogen -, sondern vor allem auch der Normalfall, nämlich der stetig zunehmende Konsum von psychoaktiven Substanzen, sollten die Behörden und die Bevölkerung beunruhigen.

 

ba

23.08.1976

 

nzz

 

Das Drop-in an der Dufourstrasse

Eröffnung einer Drogenklinik 1977?

 

Das Drop-in hat seine beiden früheren Beratungsstellen an der Hermann-Greulich-Strasse und der Höschgasse zusammengelegt und an der Dufourstrasse 181 neue Räume bezogen. Das Drop-in, eine Zweigstelle des Sozialpsychiatrischen Dienstes der Psychiatrischen Universitätsklinik, bezeichnet sich als Psychiatrische Beratungsstelle für Jugend- und Drogenprobleme und wird vom Kanton Zürich getragen. Insgesamt stehen dem Drop-in 16 Mitarbeiter (Ärzte, Psychologen, Sozialarbeiter) zur Verfügung; die Beratungsstelle ist von Montag bis Freitag von 8 bis 20 Uhr geöffnet und unterhält für die restliche Zeit einen Notfalldienst, der über die Aerztezentrale (Tel. 47 47 00) erreichbar ist. Anlässlich einer Eröffnungspresseorientierung. an der der Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes, Dr.A.Uchtenagen, und Mitarbeiter der Beratungsstelle über Entwicklung und Tätigkeit des Drop-in informierten, stellte Regierungsrat Dr. P. Wiederkehr die Inbetriebnahme einer offenen Drogenklinik in absehbarer Zeit, voraussichtlich in einigen Monaten. in Aussicht. 

 

Drogenfreie Konfliktbewältigung

 

Das Drop-in ist recht früh beim Anlaufen der Drogenwelle, das in Zürich in den Sommer 1970 fiel, ins Leben gerufen worden. Am 15. Dezember 1970 konnte die Beratungsstelle an der Herman-Greulich-Strasse und am 1. August 1971 eine zweite an der Höschgasse eröffnet werden. Das Drop-in versuchte in seiner Anfangszeit durch einen eher unkonventionellen Arbeitsstil, wie er schon im Namen zum Ausdruck kommt, über Kanäle in den Untergrund (etwa in den Lindenhofbunker) und das Angebot der Anonymität an die Drogenkonsumenten zu gelangen. Heute zwingt die starke Auslastung der Mitarbeiter das Drop-in, sich stärker auf die unmittelbare Beratung zu konzentrieren; seit 1971 haben sich die Konsultationen nahezu verdoppelt (auf 9080 im Jahr), die telefonischen Anfragen gar auf 4220 vervierfacht. Zusätzliche Schwierigkeiten brachte die Rezession; der Rückgang der Aufträge hatte zur Folge. dass die industriellen Arbeitsgruppen für sozialdekompensierte Jugendliebe wieder aufgegeben und die auf diesem Weg versuchte Therapie eher kreativen Arbeitsgruppen (Kleidernähen, Stoffärben) übertragen werden musste.

 

Obwohl im Laufe der Zeit verschiedene Institutionen, etwa die Notschlafstelle und Auffangstelle im Kirchgemeindehaus Wollishofen. entstanden sind, mit denen das Drop-in zusammenarbeitet, bleibt vor allem der Mangel an Möglichkeiten für die stationäre Behandlung Drogenabhängiger. Wichtig sind deshalb für das Drop-in die Kontakte zu therapeutischen Wohngemeinschaften.

 

Der Altersdurchschnitt der Patienten liegt bei 20; rund zwei Drittel sind männlichen, ein Drittel weiblichen Geschlechts. Besonders zahlreich sind die 17 und 18jährigen Patienten. Schon vom Alter der Patienten her ist es offensichtlich, dass da in vielen Fällen die Eltern mitbetroffen sind, in die Therapie miteinbezogen werden müssen, selbst beim Drop-in Rat suchen. So hat sich denn auch kürzlich eine Elternvereinigung drogenabhängiger Jugendlicher gebildet.

 

Das Drop-in umschreibt sein Arbeitsziel als drogenfreie Konfliktbewältigung: «Wir stehen zum drogenabhängigen Menschen, aber hassen das Gift.» Der in Drogenabhängigkeit geratene Mensch soll die Konflikte, die ihn belasten, erfahren und kennenlernen, um seelisch und sozial erstarken zu können. Allgemein wenden sich die Mitarbeiter des Drop-in gegen eine isolierte Betrachtungsweise des Drogenproblems, insbesondere auch dagegen, dass das Problem des Drogenkonsums Jugendlicher vom übrigen Drogenkonsum der Bevölkerung scharf getrennt wird. Anlass zur Beunruhigung müsste weniger die Ausnahme, der Konsum illegaler Drogen, sein als der stetig zunehmende Konsum psychoaktiver Substanzen. 

 

Eine Drogenklinik, kein Ferienlagaer 

 

In seinen Ausführungen zum Drogenproblem ging Regierungsrat Wiederkehr den Schwierigkeiten nach, denen Planung und Bau von Drogenkliniken begegnen, wobei er der Verwirklichung offener Kliniken für heilungswillige Patienten die Priorität vor geschlossenen Stätten einräumt. Noch kann sich die Planung solcher Heilstätten auf keinerlei zuverlässige Bedürfnisabklärung abstützen, ist aber anderseits die Behandlung Drogenabhängiger, soll sie erfolgversprechend sein, sehr personalintensiv und kostspielig und bedarf deshalb eines wohldurchdachten Einsatzes der Mittel. Es kommt dazu, dass die verhältnismässig geringe Heilungsquote immer wieder zu Resignation führt. Schliesslich scheitern Projekte oft am Widerstand der Bevölkerung, die sich gegen die Einrichtung von Drogenkliniken zur Wehr setzt; die Gesundheitsdirektion hat bisher in rund 20 Gemeinden den Versuch unternommen, eine Klinik zu erstellen. Immerhin konnte Wiederkehr mitteilen, dass in absehbarer Zeit nun doch eine erste stationäre Klinik realisiert werden soll, mit der dann zugleich Erfahrungen für den Bau weiterer Kliniken gemacht werden können. Vorgesehen ist eine Klinik für etwa 20 bis 30 Patienten, und zwar nicht etwa ein «Ferienlager» sondern eine strenge, ärztlich geführte Klinik.

 

rfr

31.08.1976

ta

 

Eine Petition von Geschäftsinhabern an den Polizeivorstand

Harter Kampf mit Drogenmilieu

 

Massnahmen zur Bekämpfung und Unterbindung des Drogenhandels und -konsums lm Bereich des oberen Limmatquais, namentlich an der «Riviera» und im "Terrasse»-Garten, verlangen die Inhaber und Leiter der benachbarten Restaurants und Detailhandelsgeschäfte In einer Petition an Stadtrat Hans Frick, den Vorsteher des städtischen Polizeiamtes. In der Begründung erklären die Unterzeichner der Bittschrift, sie seien seit Jahren, besonders stark aber in den letzten Monaten, «von diesem Treiben betroffen». Zwischen dem Drogenmilieu und den Restaurantinhabern bahne sieh gegenwärtig eine Kraftprobe an. Beim städtischen Polizeiamt wird die Petition gegenwärtig geprüft.

 

Nach Angaben der Gastwirte und Ladeninhaber werden In Ihren Betrieben mehrmals wöchentlich Fixer festgestellt, die sich allein oder in Gruppen in den Toiletten einschliessen, um dort Drogen zu Injizieren; unter die zu einem wesentlichen Teil aus Minderjährigen bestehenden Gäste dieser Betriebe mischen sich laufend Drogenhändler, die versuchen, Verkäufe anzubahnen oder sofort abzuwickeln. Verschiedentlich wurden Geschäftsinhaber, die Mitglieder des Drogenmilieus beim Fixen ertappt oder aus dem Lokal gewiesen hatten, tätlich angegriffen und zum Teil erheblich verletzt

 

Geschildert wird namentlich, wie einer mit einer Spritze im Gesicht gestochen wurde, während ein anderer schwere Gebissschäden erlitt. Der Widerstand der Lokalinhaber gegen das Drogenmilieu wird nach Angaben der Unterzeichner der Bittschrift «durch organisierten Einsatz» zu brechen versucht. Die Drogenkonsumenten und -händler versuchen, sich «schon vom Vormittag an in stets neuen Anläufen, meist in Gruppen, sich in den Lokalen der Unterzeichner festzusetzen». Weiter heisst es in der Begründung der Petition: «Werden sie zum Verlassen der Betriebe aufgefordert, so reagieren sie zunehmend gewalttätig. Immer öfter muss dabei die Hilfe der Polizei beansprucht werden.» Der stets gefährlicher werdende «Einsatz an der Front» könne dem Servicepersonal nicht zugemutet werden.

 

Ein Umschwung könne so lange nicht erwartet werden, meinen die Lokal- und Ladeninhaber des oberen Limmatquais, als die Polizei die Riviera und den «Terrasse»-Garten derart wenig unter Kontrolle halte, «dass sich der Drogenmarkt und der Drogenkonsum dort zu jeder Tages- und Nachtzeit praktisch ungehemmt abwickeln können)). Stadtrat Frick wird gebeten, die Entstehung eines «Niemandslands» nicht zuzulassen, «in welchem einem Erlass von der Bedeutung des Betäubungsmittelgesetzes ( ... ) so wenig Nachachtung verschafft wird, dass das Verbrechen vor den Augen der Oeffentlichkeit zu einem Kommerz gedeihen kann, der den Ruf der Stadt und ihrer Behörden schädigt» und in dem Existenzgrundlage und Sicherheit der umliegenden Gastgewerbeangestellten nicht mehr gesichert seien.

 

Systematische Kontrolle gefordert 

 

Verlangt wird in einer ersten Phase eine «praktisch dauernde polizeiliche Ueberwachung mit systematischer Kontrolle Verdächtiger und kompromissloser Anzeige festgestellter Straftatbestände». Gleichzeitig müssten «Ausweichmarktplätze konsequent erstickt» werden. Dies wäre nach Ansicht der Petenten «ein erster Schritt zur Atomisierung des heutigen Supermarkts der Drogen»; der Drogenumschlag in Zürich könnte damit zwar nicht ein für allemal beseitigt werden, aber das wichtige Element der Zuverlässigkeit für Händler und Kunden ginge verloren.

 

Zu den Unterzeichnern gehören die Inhaber oder Leiter folgender Gastwirtschaftsbetriebe und Läden: Odeon, Café Bellevue, Restaurant Eckstein, Café Prisma, Select, Hotel Ammann, Café Türc, Restaurant Weisser Wind, Café Top Spot und Café Marokko, ferner das Restaurant «Zum roten Gatten», die «Pinte Vaudoise» sowie die Geschäfte Firma Viva, W. Boesiger, Cinema Nord-Süd, Paul Weber, E. Fehlmann, Gretler Pelzhaus, W. Seiler Optiker, ASKO Finternational AG, Roland Schön, Dörnberger AG, Cuno Hasler, Hoehn & Zehnder, Knuchel & Kahl AG, Saint-Phil, A. Freimann, Mettler, Kiosk Schifflände, Maison et Jardin, Schuhhaus Gräb AG, Altstadt Galerie AG, Coiffeur Paul und Big Ben Galerie.

*

Die Beweggründe für die Petition der Wirte und Ladeninhaber am oberen Limmatquai sind verständlich. Die Petenten wehren sich gegen die in den letzten Monaten immer rascher vor sich gegangene Ausbreitung des Drogenproblems. Sie verlangen Schutz vor Anpöbeleien und versuchen, ihre Lokale «sauber» zu behalten. Deshalb der Ruf nach schärferen Polizeimassnahmen, mit denen Drogenhändler und -käufer verunsichert werden sollen. Ob dann der Markt wirklich eingedämmt würde, ist fraglich. Weil man mit Polizeiaktionen das Problem nämlich nicht an der Wurzel packt, sondern lediglich Symptome einer Krankheit bekämpft, würde sich die Drogenszene einfach einen neuen Tummelplatz suchen. Und dort würden schon bald neue Wirte und neue Ladeninhaber nach schärferen Polizeimassnahmen verlangen. Das Problem aber bliebe weiterhin ungelöst.

 

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1977

1978

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21.08.1981 

 

ZÜRCHER ZEITUNG

 

«Unser Kind ist drogensüchtig»

 

Selbsthilfegruppe eröffnet in Zürich Auskunftsstelle 

 

 

abr. Die Elternvereinigung drogenabhängiger Jugendlicher hat an der Stampfenbachetraese 115 in Zürich eine Beratungsstelle eröffnet. 'Elsbeth Deventer (Feldmeilen), Eva Haas und eine weitere Mitarbeiterin stellten die neuen . Räumlichkeiten am Mittwoch der Presse und den Vertretern von Organisationen, die sich mit Drogensüchtigen beschäftigen, vor.

 

Wenn Eltern bemerken, dass eines ihrer Kinder drogenabhängig geworden ist, bricht für sie meist eine Welt zusammen. Fassungslosigkeit, Entsetzen, 'Zorn, Verzweiflung leiten oft eine lange Leidenszeit ein. Oft wissen sie nicht, wie sie darauf reagieren sollen, zu den Sorgen um die Zukunft ihres Kindes kommen gegenseitige Vorwürfe und ·selbstquälerische Gedanken über die eigene Schuld; man versucht, die Drogenabhängigkeit vor der Umgebung geheimzuhalten, und hat, wenn es doch bekannt wird, gegen das Unverständnis der Mitmenschen anzukämpfen. Eltern, die sich in einer solchen Situation befanden, haben sich 1976 auf Initiative von J. Strebel und E. Deventer zu einer Selbsthilfegruppe zusammengeschlossen, um gemeinsam zu lernen, mit dem Problem umzugehen. 

Gemeinsam Hoffnung schöpfen 

Gegenwärtig sind es über 100 Väter und Mütter, welche sich in einer der acht Selbsthilfegruppen gegenseitig helfen. Am Beispiel des andern kann man vielleicht eigene Fehlhaltungen besser erkennen, man hat Gelegenheit zur Aussprache . und zum offenen Meinungsaustausch und erhält das Gefühl, echtes Verständnis für ein ungewöhnliches Anliegen zu finden und nicht gleich verdammt zu werden. Fachleute, welche zu Sitzungen eingeladen werden, erteilen Ausk{inft über psychologische,' medizinische, rechtliche und andere Fragen. Die Eltern lernen, trotz der Verzweiflung den Blick für die Realitäten nicht zu verlieren, sie lernen, dass sie ihr Kind trotz seiner Sucht akzeptieren können und dass sie sich selbst nicht völlig verleugnen müssen. An der Süchtigkeit des Kindes ändert das I noch nichts, doch kann die bessere Familienatmosphäre vielleicht dazu beitragen, dass das Kind eher die Kraft findet, sich für einen Rehabilitationsaufenthalt in einer Drogenklinik zu entscheiden. 

Meistens gelangen die Eltern aber erst dann an die Kontaktstelle der Elternvereinigung, wenn sie kaum mehr ein und aus wissen. E. Deventer erwartet, dass die betroffenen Eltern früher den Mut finden, sich an die Kontaktstelle zu wenden . Man braucht sich nicht einer Selbsthilfegruppe anzuschliessen, man kann sich (auch telefonisch) bei allen auftretenden Problemen im Zusammenhang mit Drogen beraten lassen. 

Zentrale Lage der Beratungsstelle 

Bis vor kurzerri hat E. Deventer allein gegen 200 Ratsuchenden telefonisch Auskünfte erteilt, dies neben der Teilnahme an 266 Elterntreffen. Dieser Umfang der Beratertätigkeit liess es angezeigt, erscheinen, die Last auf mehrere Personen zu verteilen. Der Gemeinderat der Stadt Zürich bewilligte am 26. November 1980 auf Antrag des Stadtrats einen jährlichen Kredit von 15 000 Franken für die Miete von Räumlichkeiten für die Beratungsstelle, und der Stadtrat beauftragte das Hochbauinspektcrat, geeignete Lokalitäten bereitzustellen. Die drei Räume, welche der Elternvereinigung nun zur Verfügung stehen - es handelt sich um ein Büro und. zwei Räume für Gruppensitzungen -, befinden sich in einem Pri- 

 21.08.1981

 

Die Drogensituation im Limmattal 

 

Der Stoff wird weiter in Zürich beschafft 

 

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Man hat immer wieder gehört. dass im Zusammenhana mit «Handdsplitz.cn. in Aplomerationlgemeinden auch von Dietikon als Nebenptatz die Rede war. Es ilt aber weder der Kantonspolizei noch der Oietiker Fürsorgcbebörde bekannt, das in DietikOD «gedealt. würde. Im Gqenteil: Dictikon sei -10 tiessen Dealer verlauten - kein Pflaster, waman Stoff'lol~8e. Die Dietikcr seien .sticri Brucdeu, war auch von FÜr1Or,cvontand HUlD Panzeri zu erfahren. 

Bei einem kürzlichen Gespräch über die DrogeRsituation im Limmattal mit Rolf Schlipfer, Chef der Spezialabteiluna 11 der Kantonspolizei, bestätiate dieser. dass das Ummaua! nicht als besonderer Ballungsort von Drogenabhängiacn oder als Drogenhandelsplatl bezeichnet werden könne. Es sei den anderen Landbezirken des Kantons gleichzustellen. 

AUI aIIea Aulomeratloaqcmcladea kamen DropakoallUDCDtal a die .RIvIera. 

Anfang 1983 war einem Bericht des Chefs der städtischen Kriminalpolizei, Walter Hubatka, über dic Drogensituation in Zürich zu cntnchmen, dass sich nach dcr Schliessung dcs Autonomen Jugcndzentrums Zürich (AJZ) Ende Mirz 1982 dic Bctäubungsmittclszene in dieser Stadt an die «Rivicra. am oberen Limmatquai verlagen hat. Täglich waren dort bis zu 120 Leute anzutreffen, von denen 

sicb ein &rosser Teil für Betäubunpmittel interessierte. 

Die Entwicklung der Drogenucne an dtescm On, - der auch von Droaenkonsumenten aus alJeo AgIomerationsgemeinden rund um Zürich frequentiert wurde -, bereitete nicbt nur der Polizei ernsthafte Sorgen. Vielmehr bedeutete sie auch im mcd.izinischen und sozialCD Bereich eine Verschärfung der Situation. 

NIdIt ••.••• FIIc:IIc ••• 

Ober den Droaenhandclschreibt HubuI ka. dus es sich zum Beispiel bei den Dcalern an der «Riviera. meist nicht um Pr0- fis handle, denn «wer mit grösseren Mengen Drogen handcJt, bewegt sich im Nade!streifenanzug; er passt nicht zu den Randgruppen an der Limmab·. 

Bei ihren Ennittlungen bleibe die Polizei - so Hubatla in seinem Bericht - fast ausschliesslich bei den kriminalistisch weniger wichtiJ;m Personen hängen, weil sie sich, dem Legalitätsprinzip folgend, mit der Ptrson befassen muss, selbst wenn sie nur kleine Mengen von Drogen konsumiert oder nur mit kleinen Mengcn von Drogen handelt, Das solle jedoch nicht heissen, dass nur kleine Fische in '_das Fahnduogsnetz der Polizei gerieten. 

Repradvc rlidakeit der PoBzei Ist banale SympComl>ekiimpfuna 

Die Polizei fLihrtc verschiedenc ru· ziaähnliche Personcnkontrollen durch. 

1m Januar dieses Jahres wurden zum Bel-I spiel rund 160 Pononen koo_ und gcacn die Hälfte: davon m~ ftICII Be· tiubunpmittelverpben cme StrafuDter· .w;b"", ~ ••• rden. Seitber lIdZt cüe SWlIpOlizel lUIdI __ ihna 

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bicbIer mit, UDd et1II6P<bo. •••• IIWI die Leute für FnnitthmgeD aenauer an· scbauen könne unter Aussdllua der Öffenttic:hkeiL 

Solche Kontrollen baberJ aber - 10 Hubati.a - noch niemanden davon ab,ehalten., immer wieder G&eic:baesinntc an den DUO wechselnden «HaadelspliUen. zu suchen. Die vorwiqcru1 repressive Tä· tigkeit der Polizei - Hubatka nennt sie eine banale SymptombekämpfWll uad Kosmetik im weitestcn Sinne - habe bis heute weltweit keine nachhaltige Wiri.ußa gezeigt. 

Folpa Iir Dropoko_ 

--... 

Die Polizei wird in Zukunft Personen, dic zum Betäubungsmittdmüieu gehören, nicht nur kontrollieren und allenfalls dem Strafrichter zuführen, sondern auch noch weitere Massnahmen einleiten. Personen, die sich in der Betäubungsmittelszene be· wcgCß, müssen häufiger als bis anhin mit administrativen Folgen rechnen. 

Die zukünftigen polizeilichen Mus· nahmen basieren auf verschiedenen Erkcnntnissen. Solche Massnahmen werden aber nicht nur an den Ba.llungsortcn in dcr Stadt Zürich getrolTen, sondern auch in dcn umliegenden Gemeinden, im ganzen Kanton und gesamtschweizcrisch. Denn von den DrogenintCTCssiertcn, die in Zürich um .SlofT" nachsuchcn, wohnen ungefähr 3S Prozent in der Stadt selber, 3S Prozent ausserhalb, zur Hauptsachc in den umliegenden Kantonen. Zwanzig Prozent sind Ausländer und zehn Prozcnt ohnc bestimmten Wohnort. 

MCDICbea, um die maa aic:b kümmern müsse 

Die Hälftc dicser Drogcnintcrcssicrtcn sind unmündig, rund dreissig Prozent sind zwischen 20 und 2S Jahre alt, die üb· rigcn sind 25- bis 3Sjährig. Oie Polizei stellte rest, dass vielc, die sich fast während des ganzen Tages an der Riviera auf· hielten, den sogenannten Randgruppen zugeordnet werden müsSCß. Es seien nicht Aussteiaer im üblichen SiM, sondern Menschen, die in sozialer Hinsicht Gefahr liefen, abzustürzen un.d_sich ge· sundheitlich stark zu geflihrdcn. Es seien also zum grossen Teil Menschen, um dic man sich kümmern müsse. 

Gespräche mit vielen jungen Menschen an der Riviera hätten gezeigt, d&Ss der Kontakt mit dem Elternhaus praktisch kaum mehr bestehc. Ferner hätten sich an der «Riviera. auch Leutc mit resignativer Verhaltensweise auf,ehaltcn, die man als Hingcr bezeichnen müsse und die des· 

lY ForlsetzungauJSeitel 

 

Die Stadrpolizei setz! sporadisch einen orangen Bus zu Ermittlungen in dtr Drogen· -~n~ ~in. - Bild oben: Feste Umschlagpliitze wie hier beim StadelhoJen existieren Zeit nicht. 

19.10.1981

 

TAGESANZEIGER

 

1.Cannabis-Zierpflanzen-Ausstellung im Volkshaus 

 

Für Legalisierung von Haschisch 

 

sta. Mit der ~(ersten Cannabis-Zierpflanzen-Ausstellung» vom Samstag im Volkshaus unterstrich das 4(Schweizerische Sekretariat für Rechtsgleichheit im Drogenkonsum» seinen Kampf gegen die Kriminalisierung von Haschischkonsumenten. Mit der Aufklärungskampagne wollte das Sekretariat unter anderem der öffentlichkeit beweisen. dass das Betäubungsmittelgesetz falsch ausgelegt sei. Denn bis heute sei der Beweis nicht erbracht. dass Haschisch eine gefährliche Wirkung habe. Hingegen hätten Wissenschafter klar bewiesen, dass Cattnabis-Produkte wesentlich harmloser als Alkohol. Nikotin und Pharmaka seien. 

Diese Aussagen untermauerte das Sekretariat für Rechtsgleichheit im Drogenkonsum mit einer umfangreichen Dokumentation an Stellwänden. Der 54jährige Initiator des vor bald zwei Jahren gegründeten Sekretariats. Walter Partner - er selbst konsumiert nach eigenen Angaben kein Haschisch -, unterstrich an der Ausstellung, dass es nicht um die Propagierung von Haschisch gehen könne. Vielmehr würden sie für die Legalisierung eintreten, um die falsche und unglaubwürdige Gesetzgebung zu korrigieren. Da Haschisch erwiesenermassen wesentlich harmloser als Alkohol und Nikotin sei. verstosse das Cannabis-Verbot gegen den Verfassungsgrundsatz der Rechtsgleichheit. Denn in der Schweiz hätte man schon Tausende we~en Konsums und Weitergabe von Haschisch verurteilt. obwohl der Beweis der Gefährlichkeit bis heute noch nicht erbracht worden sei. Laut Ponner sitzen viele von ihnen wegen Gemeingefährlichkeit (Gefährdung des Lebens von Drinpersonen durch Weitergabe von Haschisch) im Gefängnis. Solange die Gefährlichkeit nicht bewiesen sei, würden Unschuldige hinter Gittern sitzen und der Verfassungsgrundsatz verletzt. 

Studie des Bundesrates 

Walter Portner spricht aus Erfahrung, denn sein Sohn wurde wegen Verletzung 

~~~is~ht:~~~r:i~~~f~gJe:~:~~sZ~~th~~~ 

verurteilt. Als exemplarischen Fall zieht nun das Sekretariat in bezug auf die Verurteilung alle rechtlichen Register. um die Rechtsungleichheit aufzudecken und eine entsprechende Korrektur bewirken zu können. Neue Hoffnung auf eine allgemeine Tendenzwende setzen die Kämpfer für die Haschisch-Legalisierung in die vom Nationalrat überwiesene Motion Hoffmann, die vom Bundesrat eine umfassende wissenschaftliche Studie über die Auswirkungen des Genusses von Cannabis-Produkten verlangt. 

Das Sekretariat für Rechtsgleichheit im 

Prnro~~~~~~~~a~!ja~~ z~~rE~t~Sr~.~~~a';~ 

sierung von Haschisch» aus. Dabei wurde erklärt, es gehe nicht darum. dass Cannabis-Produkte am Kiosk erhältlich. ab~r der Anbau von Hanf. der Besitz und die Weitergabe von bis zu 30 Gramm H~schiseh straffrei sein sollen. Provokativ verkauften die Mitglieder des Sekretariats die «exotische Zierpflanze- zu Dutzenden. «Obwohl der Besitz der p~.anz~ nicht strafbar ist, wurden viele verdächtige verurteilt. weil man bei ihnen zu Hause Hanf fand». sagte Walter Portner. An der Ausstellung wurden ausserdem zahl- 

reiche Aktionen zur Aufklärung von Beamten. Politikern und der öffentlichkeit lanciert. «Obwohl wir alle National-, Stände- und Zürcher Kantonsräte - und vor allem diejenigen, die für die Kriminalisierung von Haschisch eintreten =eingeladen haben, erschien niemand in der Ausstellung», bedauerte Partner. Genugtuung äusserte er hingegen darüber. dass bereits 20000 Personen die Petition unterschrieben haben. 

 

*

Cannabis - ein harmloses Pflänzchen? Mit der Ausstellung im Volkshaus wurde für eine EntkriminaJisierungdes Haschischkonsums geworben, (Bild Andreas Zurbuchen)

15.11.1981

 

NEUE ZÜRCHER ZEITUNG

 

Manifestes Rauschgiftproblem in Zürich

 

Zunahme des Drogenkonsums und der Beschaffungskriminaliläl 

 

Dl. Der Rauschgiftkonsum nimmt in Zürich ständig zu. Im Jahr 1970 waren in der Stadt Zürich im Zusammenhang mit Delikten gegen das Betäubun~smittelgesetz noch 273 Personen von der Kriminalpolizei in Untersuchung gezogen worden: zehn Jahre spalte, 1980, waren es bereits 894. Die vergangenen Monate des laufenden Jahres lassen einen neuen Höchststand der Drogenvetfahren erwarten: bis Ende Oktober sind allein in der Stadt 1008 Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz registriert worden. Noch vor einer Dekade gen Osten zwei Sachbearbeiter der Kriminalpolizei, um die anfallenden Probleme zu lösen; im Sommer 1981 waren bei der Stadtpclizei 21 vollamtliche Beamte in 

~:~ ~r:Jet~~::äb~~f:rk~r!!~~rt~~O~ad~~eu~:S~~: 

folgen hat die Polizei das Rauschgiftproblem in Zürich nicht im Griff. Man müsse geste ben, meint Robert SchÖnbiichJer. Kriminalkommissär, dem die Betäubungsmiuelgruppe der Stadtpolizei Zürich unterstellt ist, dass es nicht gelinge, die Rauschgifte vor der Distribution aus dem Verkehr zu ziehen oder auch nur nachhaltig wirksame Massnahmen gegen den Drogenkonsum zu treffen. Die Sucht manifestiert sich nicht nur in der wachsenden Zahl von Personen, die infolge Drogenkonsums sterben, sondern auch in der steigenden Beschaffungskriminalilat, die immer härtere Fonnen annimmt und eine unmittelbare Auswirkung des Problems auf die Oeffentlichkeit darstellt. 

 

Haschisch und Heroin 

 

Der juristische Begriff Betäubungsmittelmissbrauch umfasst den illegalen Konsum aller dem Betäubungsmittelgesetz unterstellten Drogen. illegal ist der Gebrauch dann, wenn er nicht durch ein ärztliches Rezept bewilligt ist oder mit ein~ behördlichen Genehmigung erfolgt. AUgemem werden als Rauschgifte die Opiate, Cannabis, Kokain, Halluzinogene und Amphetamine bezeichnet, wobei unter den Opiaten neben Morphium auch das in Zürich wichtige Heroin zu finden ist und unter den Oberbegriff Cannabis einmal Haschisch. dann aber auch Marihuana und HaschischöJ zu zählen sind. Die Droge LSD, die vor rund zehn Jahren ins Gespräch kam, gehört zur Gruppe der Halluzinogene. Zwar sind im Kanton Zürich im vergangenen 

~~~ I::~ ~~.T;~~:ete:!nsi~~rlees~:~IIJ:::e~ 

Attraktivität verloren. Wichti~e Rauschgifte in 

~:~~:ndid~r ~~C':kO'!!=:~~~ ::s~ei~/~r:~:; 

noch o.ichl die Bedc"'''1l6 da HCnainI _J,aql 

baL' 

Das Heroin, ein braunrötlich bis weisses Pulver, wird entweder geschnupft oder in flüssigkeit aufgelöst gespritzt. Da die toxische Wirkung von geschnupftem Heroin wesentlich geringer ist als jene der Heroinspritze, sind fast alle Heroinkonsumenten schon aus Kostengründen sogenannte FIXer. die sich das Rauschgift injizieren. Das Gift findet den Weg zum Konsumenten praktisch nie in chemisch reinem Zustand. Meist wird das Heroin mit billigeren Stoffen, zum Beispiel Puderzucker, gestreckt, wodurch sich im Handel grössere Gewinne erzielen lassen. In Zürich sind aber als Zusatzmittel auch wiederholt gefährliche Gifte verwendet worden, die zum Tod von «Fixern» führen können. 

Marihuana ist das getrocknete Kraut der Cannabispflanze, das we$en seiner grünlichen Farbe in Konsumentenkreisen oft als «Heu» bezeichnet wird. Haschisch besteht dagegen aus dem Harz der Hanfpflanze (Cannabis sativa). Es tritt in der Regel in Plättchenform, in der Art eines Schokoladetäfelchens, aber auch in Pulverfonn auf dem Schwarzmarkt in Erscheinung. Die Cannabisprodukte werden meistens geraucht. 

 

Zentrales Problem: Heroin 

 

Von den insgesamt 1954 Personen, die 1980 wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungsmiuelgesetz im Kanton Zürich in ein Ermittlungsverfahren verwickelt worden sind, waren 721 «Fixer» und die verbleibenden 1233 vor allem Haschischkonsumenten. Die Bekampjung des Heroinhandels erheischt bei der Polizei absolute Priorität, was einmal auf die Gefährlichkeit des Rauschgifts, dann aber auch auf die besondere Skrupellosigkeit in diesem GeschAft sowie auf den engen Zusammenhang zwischen Heroinkonsum und Beschaf!ungskriminalitöt zurückzuführen ist. Der europäische Markt wird von Heroin Oberschwemmt Im letzten Jahr sind, von europäischen Polizeistellen gesamthaft 1122 Kilo Heroin beschlagnahmt worden, zehnmal sovie! wie noch 1973. Im gleichen Zeitraum wurden im Kanton Zürich Ober 6 Kilo Heroin sichergestellt. Der Zürcher Markt gilt bei a~ständischen Rauschgifthändlern als lukrativ. Wahrend für das Gramm Heroin in Zürich bis zu 700 Franken bezahlt werden, sind auf dem Schwarzmarkt von Mailand oder Frankfurt nur 200 Franken zu erzielen. Die Betäubungsmittel· gruppen der Stadt polizei und der Kantonspolizei Zürich haben vermehrt schwere und sogar schwerste Fälle von Drogenkriminalirat zu behandeln. Dabei ist der grosse Anteil von Ausländern auffallend: Vor einem Jahr wurde beispielsweise ein Drogenring mit 18 Thailänderinnen und 2 Deutschen ausgehoben, der allein in Zürich mindesrens 3.5 Kilo Heroin umgesetzt hatte. 

Die Zahl der Heroinkonsumenten, die an der Sucht starben, hat im laufenden Jahr einen neuen Höchststand erreicht. In der Stadl Zürich sind 1980 von der Betäubungsminelgruppe der Kriminalpolizei 397 «Fixer» erfasst worden. Von ihnen waren 229 unter 22 Jahre alt; die jüngste «Fixerin» war 14, vier weitere Mädchen 15. wobei alle rückfällig waren. Ueberhaupt ist die Rückfälligkeit bei Heroinkonsumenten gross. Die meisten polizeilich erfassten «Fixer» in der Stadt Zürich (78) haben im übrigen keinen erlernten Beruf und stehen weder in einer Schulausbildung noch in einer Berufslehre. 

Zigaretten und HIl5~hiseh all Einsteigedroge 

Im Jahr 1978 hat die Psychiatrische llniversitätsklinik bei jungen Männern (Rekrutenprüfung) und bei Frauen im Kanton Zürich eine Untersuchung durchgeführt, die Aufschluss Ober Kontakte junger Menschen mit Drogen gibt: Danach hatten 1978 fast 20 Prozent der Manner und rund 17 Prozent der Frauen bereits Erfahrungen mit Haschisch. Die Kontakte mit Opiaten waren geringer, betrugen aber immerhin 3,3 Prozent bei den Männern und 1,9 Prozent bei den Frauen. Diese Zahlen gewinnen dann an Bedeutung, wenn man sie in Beziehung zu Beobachtungen der Betäubungsmlnelgruppe der Stadtpolizei Zürich brin~, wonach fast alle Heroinkonsumenten in ZOnch beim Rauchen von Haschisch und Marihuana erste Kontakte zu Rauschgiften geknüpft haben. Es wurde ebenfalls festgestellt, dass 19 der 22 Kinder, die 1980 in eine Untersuchung wegen Rauschgiftdelikten verwickelt worden sind, täglich mehr als eine Packung Zigaretten rauchten. Krimlnalkommissär Schönbäcbler wertet daher die Nikorinabsrinenz junger Leute als eine der wirksamsten Präventionen des Rauschgiftkonsums. 

Kriminalitäl als Folgeerscheinung 

Ein «Fixer» muss zur Befriedigung seiner Sucht pro Tag mindestens 300 bis 400 Franken aufwenden. Das sind die Preise, die auf den Zürcher Drcgenumschlagplätzen fOr ein halbes sogenanntes Gassengramm Heroin bezahlt werden. Ein «Gassengramm» enthält kein volles 

 

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üfestes Rauschgiftproblem in Zürich 

'es Drogenkonsums und der Beschaffungskriminalität 

Igirtkonsum nimmt in Zürich ihr 1970 waren in der Stadt menhang mit Delikten gegen iuelgeseia noch 273 Personen polizei in Untersuchung gezoI Jahre später, 1980, waren es (ergangenen Monate des lausen einen nellen Höchststand :etl erwarten: bis Ende Oktofer Stadt 1008 Verstösse gegen iuelgeseu registriert worden. ~kade genügten zwei Sachbe[inalpoliaei, um die anfallen~sen; im Sommer 1981 waren lei 21 W)lIamtliche Beamte in pfung tllig. Trotz diesem Einmerkenswenen Fahndungserizei das RauschgiOproblem in Griff. Man müsse gestehen, ~6nbdchJer. Kriminalkommissbungsminetgruppe der StadtIcrstellt ist. dass es nicht gelin.e vor der Distn'bu,jon aus dem In oder auch nur nachhaltig 

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~es Problem: Heroin 

jesamt 1954 Personen, die 1980 mdlungen gegen das Betäuiz im Kanton Zürich in ein Er'en verwickelt worden sind, waund die verbleibenden 1233 vor Ikonsumenten. Die Bekämpfung ets erheischt bei der Polizei abwas einmal auf die Gefiihrlichrgifrs, dann aber auch auf die pd/osigkeit in diesem Geschäft 

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Die Zahl der Heroinkonsumenten, die an der Sucht starben, hat im laufenden Jahr einen neuen Höchststand erreicht. In der Stadt Zürich sind 1980 von der Betäubungsmiuelgruppe der Kriminalpolizei 397 «Fixer» erfasst worden. Von ihnen waren 229 unter 22 Jahre alt: die jOngste f( Fixerin» war 14, vier weitere Mldchen 15, wobei alle fÜckflllig waren. Ueberhaupt ist die Rückfiilligktit bei Heroinkonsumenten gross. Die meisten polizeilich erfassten _Fixen in der Stadt ZOrich (78) haben im Obrigen keinen erlernten Beruf und sieben weder in einer Schulausbildung noch in einer Berufslehre. 

 

Zigaretten und lIaschisch als Einsteigedroge 

 

Im Jahr 1978 bat die Ps)'chiatrische Untversitäuklinik bei jungen Männern (Rekrutenprüfung) und bei Frauen im Kanton Zürich eine Untersuchung durchgeführt, die Aufschluss ober Kontakte junger Menschen mit Drogen gibt: Danach hatten 1978 fast 20 Prozent der Männer und rund J 7 Prozent der Frauen bereits Erfahrungen mit Haschisch. Die Kontakte mit Opiaten waren geringer, betrugen aber immerhin 3,3 Prozent bei den Männern und 1,9 Prozent bei den Frauen. Diese Zahlen gewinnen dann an Bedeutung, wenn man sie in Beziehung zu Beobachtungen der Betäubungsminelgruppe der Stadtpolizei Zürich bringt, wonach fast alle Heroinkonsumenten in Zürich beim Rauchen von Haschisch und Marihuana erste Kontakte zu Rauschgiften geknüpft haben. Es wurde ebenfalls festgestellt, dass 19 der 22 Kinder, die 1980 in eine Untersuchung wegen Rauschgiftde!ikten verwickelt worden sind, t3glich mehr als eine Packung Zigarelten rauchten. Kriminalkommissär Schönbäcbler wertet daher die Nikotinabstinenz junger Leute als eine der wirksamsten Präventionen des Rauschgiftkonsums. 

 

Kriminalitäi all Folgeencheinung 

 

Ein «Fixer» muss zur Befriedigung seiner Sucht pro Tag mindestens 300 bis 400 Franken aufwenden. Das sind die Preise, die auf den ZOrcher Drogenumscblagplätaen Iür ein halbes sogenanntes Gassengramm Heroin bezahlt werden. Ein «Gassengromm» enthält kein volles 

Gramm Heroin. denn es ist chemisch nicht rein. sondern mit anderen Mitteln gestreckt. Man rechnet damit, dass sieb ein «Fixer» taglich, je nach dem Grad der AbhängiJkeit, bis zu vier «Scbüsse setaen» muss, wie eine Injektion des Giftes im «Ptxees-Jergon heisst. Mitbestimmend ist hier der Reinheitsgehalt des injizierten Stoffes. 

Das für den Heroinabbängigen notwendige Geld zur Beschaffung des Rauschgiftes kann, ein Blick auf die meist fehlende Ben.lfsausbildung der ~F'lXe'" bestätigt dies, nicht aus einer normalen Erwerbstätigkeit aufgebracht werden. Die soziale Entwurzelung des Drogenkcnsumenten schreitet fort und endet meist in Kriminalität oder in Prostitution, Zahlreiche Konsu- 

~e~t:i~ ;:lr~;~~e;;ä~~~e!U!:~Je~~~e~~~~j~~; 

wurde im Kanton Zürich gegen 577 Personen ermittelt, die Drogenkonsumenten und Drogenhändler in einem waren. Die Zahl der Einbrüche und Einbruchsversuche in Apotheken hat im vergangenen Jahr gegenüber dem Vorjahr zwar etwas abgenommen, was auf bessere Sicherheitsmassnahmen zurückzuführen ist, dafür baben die durch Drogenabhängige begangenen Straftaten anderer Art stark zugenommen: Ein Tötungsdelikt, Raub und Diebstahl figurieren ebenso in der Polizei statistik wie Betrug, Yen.lntreuung und Hehlerei. Das Tötungsdelikt ist ein Einzelfall, aber die anderen Delikte weisen eine signijilUJnte Zunahme auf. Im letzten Jahr haben 14 neue Dirnen registriert werden müssen, die wegen ihrer Rauschgiftsucht zu Prostituierten geworden sind, und im laufenden Jahr kamen nochmals zehn dazu. Die Dunkelziffer dürfte im übrigen weit höher sein. 

 

Verschiedene Umschlagplätze 

 

Bis zur vorübergehenden Schliessung des Jugendhauses an der Limmatstrasse mündeten die Absatzkanäle der Heroinhändler ins AlZ. AJs dieses Forum nicht mehr zur Verfügung stand, wurden wieder der Hirschenplalz und die sogenannte Riviera am Limmatquai in Anspruch genommen, die schon vor der Eröffnung des AlZ als Drogenumschlagpl!tze über die Stadtgrenzen hinaus bekannt waren. Die Polizei hat bei Kontrollen festgestellt, dass auf der Drogenszene keine EntschärJungeingetreten ist. Im Gegenteil wurden, so bedauerte Robert Schönbäcbler, viele bis anhin unbekannte Gesichter im Kreis der Drogenkonsumenten ausgemacht. 

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